Wähle gute Ratgeber

“Kritiker sind gute Freunde, die uns auf Fehler hinweisen”, so soll Benjamin Franklin gesagt haben.
Julien, der Lehrer im Buch “Der Mann der glücklich sein wollte”, sagte etwas Ähnliches, als er mit dem Heiler sprach, den er in seinen Ferien auf Bali aufgesucht hatte.
Er hatte zwei Personen aus seinem Umfeld von seinem Herzenswunsch erzählt, mit einem eigenen Fotostudio sein Geld zu verdienen.
“…und ich muss sagen”, so sagte er zum Heiler “dass sie mir ein wenig den Wind aus den Segeln genommen haben”.

Juliens frisch geweckte Hoffnung auf eine neue Zukunft, hatte sich durch die Bemerkungen seiner Bekannten eingetrübt.
Sein Mut sank.
Die Hindernisse schienen wieder unüberwindlich wie vergitterte Fenster.

“Die eine teilte mir mit, dass die Welt der professionellen Fotografie nur schwer zugänglich sei und dass es mir ohne Diplome, ohne Beziehungen nicht gelingen werde, mich dort durchzusetzen”, erzählte Julien. “Die andere hielt mir entgegen, dass man ohne über einen Kundenstamm zu verfügen, nicht von heute auf morgen solch ein Geschäft aufziehen können und dass deshalb meine Erfolgschancen praktisch null seien.”

Der Heiler rät Julien seine Projekte keinesfalls Personen anzuvertrauen, die ihn entmutigen könnten.
Doch Julien ist nicht einverstanden: “…in gewisser Hinsicht kann es auch nützlich sein, dass die Leute einem die Augen öffnen, wenn man auf dem Holzweg ist”, meint er.

 

Wie siehst Du das?

Hat der Heiler Deiner Meinung recht mit seinem Rat?
Mit wem besprichst Du Deine Herzenswünsche und Träume?
Wem erlaubst Du Dich zu beraten und Deine Ideen zu beurteilen?

Ich habe früher sehr viel darauf gegeben was die Menschen aus meinem Umfeld zu meinen Herzensprojekten sagen.
Aus meiner Kindheit bin ich erbarmungslose Kritik gewohnt.
Ich musste erst lernen, meine Herzenswünsche – vor allem anfangs – wie junge verletzliche Pflänzchen zu schützen; insbesondere vor Menschen aus meinem familiären und beruflichen Umfeld.
Mit der Zeit lernte ich, dass Konfuzius richtig lag als er sagte:
“Von denen einen Rat zu holen die nicht den gleichen Weg gehen, ist nutzlos”.

Schlechte Ratgeber

Der Heiler erklärt es Julien so: “Wenn Sie in Ihrem Bekanntenkreis ein Projekt erörtern, das Sie verwirklichen möchten, stossen Sie auf drei unterschiedliche Reaktionen: Gleichgültigkeit, Ermutigung und Ablehnung. Die Letztere zielt darauf ab, dass Sie die ganze Sache aufgeben.

Sie dürfen sich nicht Personen anvertrauen, die Ihnen nur Bange machen wollen, um so ihre eigenen psychologischen Bedürfnisse zu befriedigen. 

  • Es gibt zum Beispiel Leute, die sich besser fühlen, wenn es Ihnen schlecht geht, und die folglich alles tun, damit es Ihnen nicht besser geht!
  • Andere wiederum könnten es nicht ertragen zu sehen, dass Sie Ihre Träume verwirklichen, weil sie so an ihren mangelnden Mut erinnert würden, die eigenen Träume zu verwirklichen.
  • Ausserdem sind da Menschen, die sich durch Ihre Probleme aufgewertet fühlen, denn diese geben ihnen die Möglichkeit, Sie zu unterstützen. Aber dann merken sie, dass sie von Ihnen und Ihren Projekten in den Schatten gestellt werden, und tun nach besten Kräften alles, um Sie davon abzubringen. Es hat jedoch keinen Sinn, ihnen das vorzuwerfen, eben weil sie es unbewusst tun.

Deshalb ist es durchaus angebracht, sich von solchen Personen fernzuhalten und mit ihnen nicht über die eigenen Pläne zu sprechen. Sonst gehört man ebenfalls zu den Millionen von Menschen, die nicht jenes Leben führen, das sie ersehnen.”

Soweit der Heiler in Laurent Gounelles Buch.

Gute Ratgeber

Doch wer ist ein guter Ratgeber?
Wem vertraust Du Dich an, wenn Du zum Beispiel planst mit dem Fahrrad, um die Welt zu radeln oder wenn Du Dich wie Julien beruflich verändern möchtest?
Wer macht Dich darauf aufmerksam wenn Du “auf dem Holzweg bist” ohne Dich zu entmutigen?
Wer lässt Dir den Ausblick auf die Verwirklichung Deiner Herzenswünsche und gönnt Dir ein gutes Leben?
Es sind drei Unterstützer-Typen:

 

Der Experte

Der Experte ist ein Fachmann, der einigermassen neutral ist.
Natürlich ist auch nur ein Mensch und hinter seiner Meinung stecken ebenfalls psychologische Bedürfnisse.
Doch er kann sie weniger leicht auf Dich übertragen, wenn Du ihn um seine fachliche Meinung bittest. Denn in den meisten Fällen besteht zwischen Euch keine nähere Beziehung. Das macht es für Dich einfach seine Meinung als seine Meinung anzusehen. Du kannst Dir von seinem Rat und von seinen Ansichten das nehmen, was Du brauchen kannst und den Rest verwirfst Du.
Allenfalls kannst Du Dir einen Sport daraus machen, einen anderen Experten zu finden, der eine andere Meinung vertritt.
So weitet sich Dein Horizont.
Nutze das Fachwissen der Experten , aber schütze Dich vor Entmutigung.
Lass Dir von seinen “Fakten” nichts ausreden.
Wenn seiner Meinung etwas “unmöglich” ist, ist das eine interessante Aussage über die Vergangenheit.
Doch – was sagt das über die Zukunft?
Nicht viel, denn wie heisst es so schön:

Alle sagten
“Das geht nicht”.
Da kam einer, der wusste das nicht
und hat es einfach gemacht.


Quelle unbekannt

 

 

Der “Wer”

“Wer tut das, was ich tun will bereits?” kannst Du Dich fragen.
Wenn Du so eine Person entdeckt hast, ist das Dein “Wer” (siehe 8. Artikel dieser Serie).
Die Wahrscheinlichkeit, dass so eine Person Dich eher ermutigt als entmutigt ist gross.
Sie ist den Weg, den Du gehen möchtest bereits gegangen und freut sich vielleicht sogar, Dir bei der Verwirklichung Deines Traumes zu unterstützen.

 

Ausgewählte Freunde, Familienmitglieder und Bekannte

Menschen aus Deinem persönlichen Umfeld können unterstützende Ratgeber sein oder auch nicht.
Wie entscheidest Du, wer zu den guten Ratgebern gehört?

Der Heiler aus Juliens Geschichte bringt es auf den Punkt:
Julien brauche ein oder zwei Person, die an ihn glauben, sagt er.
Menschen, die an uns glauben und uns das spüren lassen, schaffen es unsere (Selbst-)Zweifel und Ängste aufzulösen und unser Selbstvertrauen zu stärken, weil sie von unseren Fähigkeiten überzeugt sind. Das hilft uns durch die unvermeidlichen Höhen und Tiefen, die auf uns zukommen, wenn wir unsere Komfortzone verlassen und unser Herzensprojekt umzusetzen beginnen.
Menschen, die an uns glauben verhindern, dass wir aufgeben, weil wir uns alleine fühlen.
Ratschläge können sie uns vielleicht nicht geben. Doch das ist auch gar nicht notwendig, dafür sind die “Wer’s” und die Experten da.
Aber Menschen, die an Dich glauben machen Dir Mut, weil sie Deine Stärken sehen und an Dich glauben.


Strategie 11 um Deine eigenen Lebensziele zu finden und zu verwirklichen heisst:
Suche Dir 1-2  Personen, die an Dich und Dein Projekt glauben und mache Experten und Menschen, die Deinen Weg schon ein Stück gegangen sind zu Deinen Ratgebern.


 

Umgehe die Angst

Warum sind Sie nicht nach Kuta gegangen?” fragt ihn der Heiler.*
Diese Frage bringt Julien in Erklärungsnot”,

Julien hatte den Heiler aufgesucht, obwohl ihm nichts fehlte.
Nach einer kurzen Untersuchung bestätigte der Heiler, dass Julien kerngesund ist.
“Aber…”, so fuhr er fort “…Sie sind nicht glücklich.” Daher kam auch der Schmerzpunkt am Zeh, der Julien aufschreien liess, als der Heiler ihn berührte.

Am Ende dieses ersten Gespräches erhielt Julien den Auftrag nach Kuta ins Kino zu gehen.
Er solle sich einen Film mit seiner Lieblingsschauspielerin Nicole Kidman ansehen und ihr Äusseres genau so kritisch betrachten, wie er das bei sich tat.
Julien werde auffallen, so prophezeite der Heiler, dass selbst diese schöne Frau, keineswegs einen perfekten Körper hat, sondern ihren Erfolg ihrer Ausstrahlung verdankt.

Nun beim zweiten Gespräch versucht Julien zu begründen, warum er nicht ins Kino gegangen war.
Er sei müde gewesen behauptet er.
Doch der Heiler gibt sich damit nicht zufrieden und fragt ganz direkt:
“Wovor hatten Sie Angst?”
Julien fühlt sich durchschaut und staunt, dass der Heiler in ihm liest wie in einem offenen Buch.

 

Wie Angst uns steuert

Bevor der Heiler ihn nach seiner Angst fragte, hatte Julien seine Angst gar nicht bemerkt.
Er verspüre nur Unlust, die Aufgabe zu erledigen und fand eine andere Aktivitäten wichtiger und reizvoller.

Wie Julien so nehmen auch wir unsere Angst oft nicht wahr.
Vielleicht reden wir davon, dass uns etwas Sorgen macht oder missfällt.
Oder wir können uns nicht motivieren etwas zu erledigen.
Spontan überfällt uns der Impuls etwas anderes zu tun.
Wir schieben Dinge auf und lassen uns ablenken.

Als Julien dem Heiler vom Traum eines eigenen Fotostudios erzählt, fragt dieser “Was hindert Sie daran?”
Julien erzählt von seiner Befürchtung nicht die nötigen Fähigkeiten zu haben.
Wieder war ihm nicht klar, dass ihn die Angst davon abgehalten hatte seine Träume wahrzunehmen und zu verwirklichen.
Weil er die Angst nicht erkannte, steuert sie ihn.

Kernkompetenz Angstbewältigung

Die wenigsten Menschen die ich kenne geben zu vor etwas Angst zu haben.
In unserer Kultur ist es verpönt.
Es gilt als Schwäche.
Deshalb lernten wir die Angst zu verbergen.
Vor anderen und leider auch vor uns selbst.
Denn  Angst wahrzunehmen und mit ihr so umzugehen, dass sie Deiner Sicherheit dient, Dich aber nicht mutlos und handlungsschwach macht, ist meiner Ansicht eine Kernkompetenz, um die eigenen Lebensziele zu finden und zu verwirklichen.
Die gute Nachricht ist: das
 kann man lernen.

Auch Angsthasen können mutige Schritte wagen

Immer wieder sagen Menschen zu mir “Du bist mutig”.
Immer wieder irritiert mich das, weil ich mich oft unsicher fühle und meine Ängste spüre.
Weil ich mich von meinen Ängsten nicht abhalten lasse, wirke ich auf andere offenbar mutig.

Ja es stimmt, ich tue Dinge, die mir Angst machen.
Denn ich weiss, wie ich dafür sorgen kann, dass ICH die Angst habe und nicht die Angst MICH.
Die Methoden dafür will ich Dir hier gerne verraten.

 

1. Spüre Deine Ängste!

Wie bei Julien deutlich wurde: wer seine Angst nicht spürt, nicht wahrnimmt wo sie sitzt und wo sie hindrängt, kann nicht bewusst auf sie reagieren.
Nur wer die Angst HAT, kann mit ihr umgehen.
Nur wer sie HAT, kann sie umgehen und allen Ängsten zum Trotz seine Träume verwirklichen.

Auch ich war früher nicht gut darin meine Angst wahrzunehmen.
Etwas Übung ist notwendig um das wieder zu lernen:

Wahrnehmungstraining:
Notiere auf einem Notizzettel oder -block  die Worte wie “erschrocken”, “ängstlich”, “besorgt” und “panisch”.
Überprüfe einmal (wenn Du willst mehrmals) pro Tag, ob eines dieser Gefühle im Moment zutrifft.
Lass Dir ein paar Augenblicke Zeit den Gefühlen nachzuspüren.
Du findest sie im wirren Geplapper Deines Hirns, dem Klos im Hals, den zittrigen Knien, unruhigen Händen, dem pochenden Herzen.
Sei einfach aufmerksam dafür, dass Angst da sein könnte.
Anfangs ist es vielleicht etwas anstrengend, weil Du scheinbar nichts fühlst.
“Aller Anfang ist schwer”, sagt das Sprichwort “…aber nur der Anfang… ” ergänzte Vera Birkenbihl.
Recht hat sie.

 

2. Konzentriere Dich auf Aufgaben statt Fantasien

Unsere Fantasie, unsere Gedankenwelt kann sich die schlimmsten Szenarien ausmalen.
Diese Gabe sollten wir nutzen – fürs Zeichnen, Schreiben und Geschichten erzählen.
Für den Umgang mit Angst ist sie ungeeignet.
Hier sind Fakten und Realitätssinn hilfreicher.

Um mein Hirn zu hindern sich in Angstfantasien zu stürzen, muss ich es beschäftigten.
Ich muss meinen Kopf Arbeit geben.
Wenn ich ihm nicht sage, was er mir liefern soll, schaltet er bei Angst auf Autopilot und malt sich die “Gefahren” in den prächtigsten Farben aus:

  • Das Fotostudio führt ins finanzielle Desaster.
  • Freunde und Familie spotten oder machen mir Vorwürfe.
  • Ja, die ganze Welt wird mir sagen wollen, wie dumm meine Entscheidung war.

So die Angstfantasien.
Bei solchen Gedanken wird meine Angst so intensiv, dass ich mich nicht mehr aus dem Haus traue, geschweige denn einen Traum verwirkliche und mir – zum Beispiel – ein Fotostudio einrichte.

Also gebe ich meinem Hirn einen Auftrag. Es soll

  • echte Gefahren wahrnehmen
  • konkrete Risiken einchätzen und 
  • mögliche Lösungsvorschläge entwickeln.

 

Beschäftige Dein Hirn mit Arbeit – ein Beispiel vom Trans Swiss Trail

Ich war Ende September am späten Nachmittag von Emmetten unterwegs zur Risletenschlucht.
Nach einem herrliche Blick in die Schlucht entschied ich nicht nach Emmetten zurück zu kehren, sondern weiter Richtung Seelisberg zu laufen.
Doch es wurde viel rascher dunkel als ich es erwartet hatte.
Bald  ahnte ich: Ich würde es nicht vor Einbruch der Dunkelheit bis nach Seelisberg schaffen.
Das war kritisch, denn auf dem schmalen Pfad, im steilen Gelände durch die Schlucht hinauf, würde ich bei Dunkelheit keinen Schritt mehr weitergehen können. Die Absturzgefahr wäre zu gross.
Das bedeutet: eine Nacht im Wald verbringen. Ohne Taschenlampe, Feuer und warme Kleidung und Schlafsack.
Frieren war garantiert.

“Beeil Dich! Beeil Dich!” trieb mich die Angst an.
Angst ist ein guter Antreiber aber ein schlechter Ratgeber. Deshalb zwang ich mich stehen zu bleiben um in Ruhe nachzudenken.
“Sag mir was Sache ist”, sagte ich zu meinem Hirn.
Es lieferte folgende Fakten:

  • Nach Beckenried abzusteigen, wäre vor einer halben Stunde noch möglich gewesen. Doch nun war ich davon zu weit entfernt.
  • Emmetten war nicht weit entfernt, aber den gleichen Weg zurück zu gehen war ausgeschlossen. Garantiert würde ich auf diesem Weg im dunklen Wald stecken bleiben.
  • auf der Wanderkarte war keine andere Abzweigung nach Emmetten eingezeichnet. Trotzdem könnte es auf meinem aktuellen Weg eine geben. Vielleicht könnte ich oberhalb der Schlucht auch querfeldein gehen. 

Soweit die Risikoanalyse.
Die wichtigste Erkenntnis war:
die Zeit gut nutzen und Ruhe bewahren sind im Moment die wichtigsten Erfolgsfaktoren:

  • je rascher ich voran kam, um so höher war die Chance auf einen breiteren Weg zu kommen auf dem ich auch im Dunkeln weitergehen kann.
  • Liess ich mich von der Angst hetzen, könnte ich stolpern, mich verletzten oder abrutschen.

Ab und zu sendete mein Hirn trotz klarem Arbeitsauftrag ein paar Angst-Fantasien. Es malte mir aus, wie ich 

  • am Boden des Waldhanges sitze und zitternd vor Kälte den Morgen abwarte
  • von einer Rettungsmannschaft aufgegabelt werde und eine Lungenentzündung diagnostiziert wird
  • aus Angst vor den unbekannten Geräuschen im Wald durchdrehe.

Zwar werde ich nicht vom Wolf gefressen, aber vom Fuchs zu Tode erschreckt. Das ist ungefähr dasselbe 🙂 .

“Nicht dahin schauen”, ordnete ich an. “Ich will nur Fakten!”.
Fakten?
Fakt ist: es ist möglich, dass ich abrutsche, abstürze, mich verletzte oder – wenn es ganz dumm geht – mein Leben verliere.
Hier in der Risletenschlucht.
Das kann mir aber auch zu Hause auf der Strasse oder im Badezimmer passieren.

 

Blicke in den Abgrund der tiefsten Angst

Früher meinte ich, wenn ich ausblende, dass mir wirklich etwas passieren könnte, helfe das bei der Angstbewältigung.
Doch b
ei Hanne Baar lernte ich im Psychologie-Studium:
wir bringen uns vor allem dann in Schwierigkeiten, wenn wir etwas um jeden Preis vermeiden wollen.

Will ich um jeden Preis vermeiden, dass ich im dunklen Wald eine Nacht ohne passende Ausrüstung verbringen muss oder dass ich abrutsche oder mich verletzten oder Schlimmeres, dann bin ich in der Abwehr.
Das ist eine Position der Schwäche.
Das ist wie Herumfuchteln gegen einen unsichtbaren Gegner.

Wenn ich akzeptiere, dass etwas passieren kann, bin ich auf dem Boden der Tatsachen.
Darauf kann ich stehen.
Ich akzeptiere dass das kommen wird, was kommen wird.
Dagegen brauche ich nicht anzukämpfen.
Das ist Stärke.
Denn nun muss ich nicht kämpfen, sondern kann loslassen und mein Bestes tun, um die Situation so gut wie möglich zu meistern.

Ich schlage vor:
Gewöhne Dich an den Blick in den Abgrund und akzeptiere, dass es keine Garantie dafür gibt, dass Dir nichts passiert.
Sei Dir aber auch im Klaren: mit Ruhe und entschlossenem Handeln lässt sich vieles meistern.

Bestimme den Preis des Vermeidens

Es gibt noch einen Fakt:
Risiken einzugehen ist gefährlich.
Aber Risiken zu vermeiden ist tödlich.

Hören wir zu sehr auf unsere Ängste, schränken wir unseren Radius ein.
Wenn wir zu oft ausweichen, weil uns etwas Angst macht, erleben wir keine Abenteuer mehr.
Dann sind wir vielleicht sicher. Aber auch unglücklich.

Stell Dir vor, Du bist 98 Jahre alt und hast in den letzen 50 Jahren in Deinem sicheren Hafen gelebt und nichts mehr riskiert.
Wie fühlt sich das an?

Also frage Dich: welchen Preis zahle ich, wenn ich das was ich will aus Angst nicht tue? Was werde ich mit 98 bedauern?

3. Gehe entschieden und achtsam voran

Die Fakten im Fall Emmetten liegen nach der Hirn-Arbeit klar vor mir.

Jetzt brauche ich den Rat meines Bauchgefühls, denn meine Intuition weiss mehr als mein Hirn.
Noch schwanke ich zwischen Absteigen und weiter gehen.
Doch dann entscheide ich: “
Ich laufe weiter Richtung Seelisberg. Ich habe Hoffnung, dass ich eine Abzweigung und einen Weg aus dem Wald finde.”
Jetzt heisst es schnell sein.
Aber nicht zu schnell.
Ich muss mich an ein Tempo halten, dass ich für eine Stunde durchhalten kann.
Und ich muss sicher voran gehen.
Mein Hirn muss für Konzentration und Sicherheit sorgen.
Keine Hektik.
Keine Schusseligkeit.
Kein Dramatisieren schlimmster Szenarien.
Konzentriertes rasches Aufwärtssteigen. Das ist der Fokus.

Angst ist immer zukunftsbezogen.
Also muss ich mich gedanklich im Jetzt halten.
Ich lasse meine Gedanken nicht in die Zukunft wandern, sondern fokussiere auf meinen Körper und die Sinneseindrücke:

  • Es fühlt sich gut an mich aufwärts zu bewegen.
  • Der Waldboden ist weich
  • meine Schuhe haben guten Halt
  • die fast schon nächtlichen Stimmung ist schön.

Nur wenn ich darüber nachdenke, dass hier in kurzer Zeit das Licht ausgeht, übersehe ich das.

Nach 30 Minuten steht plötzlich ein Wegweiser vor mir. “Emmetten 50 Minuten” steht da.
Mein Bauchgefühl hatte recht: es gibt die Abzweigung, die ich erhofft hatte.
Schon nach 20 Minuten lichtet sich der Wald.

Überraschung: ausserhalb des Waldes ist es noch ziemlich hell.
Hell genug um in Ruhe zur Busstation Sagendorf zu laufen, wo ich 10 Minuten später vom Postauto, das nur alle Stunden einmal fährt, mitgenommen werde.


Zentral für das Finden und Verwirklichen Deiner Lebensziele ist die Strategie 10:
Nimm Deine Ängste wahr und lerne sie zu steuern.


 

*Quelle: der Mann der glücklich sein wollte” von Laurent Gounelle

 

Stell’ die richtigen Fragen

Eine gute Frage ist die halbe Antwort”,
so wird der Autor Wolfgang Zielke zitiert.
Ebenso gilt:
eine falsche gestellte Frage verhindert, dass wir die gesuchte Antwort finden.
Im Extremfall führt sie uns in ein Gewirr an Wegen und Möglichkeiten.
In ein Labyrinth.

Auf höchst amüsante Weise zeigt dies die Geschichte vom deutschen Touristen, der von der Station Zytglogge in Bern nach Worb reisen will.
Er spricht einen Mann mit der Frage an:
Ah, eh erlaubet Sie mal. Sie sind doch sicher en Einheimische, gell?”
Der Einheimische fragt misstrauisch zurück, wie der Deutsche das meine. Ob er etwas dagegen habe, dass er ein Berner sein.

So kommt er nicht zur Information die er haben will, erkennt der deutsche Tourist.
Er fragt also: “Sie könne mir doch sicher sage: Wann fährt der nächschte Omnibus nach Worb?”.
“Nie!” antwortet der Einheimische.
Der Deutsche erfährt, dass es keinen Omnisbus nach Worb gibt.

Ach du meine Güte! seufzt er und fragt “Ja, sage sie mal, kame nach Worb auch gehe?
“Ja we me wott cha me scho” (wenn man will kann man schon) antwortet der umständliche Schweizer ganz logisch.
Wieder ist der Deutsche keinen Schritt weiter.

“Sie verstehe mich falsch”, versucht er es erneut “ wie lang geht me denn da?
“Ja gäuet,” antwortet der Schweizer “je nach däm wie eine geit. We eine langsam geit de het dä natürlech e chli lenger weder eine wo gleitiger geit.”
(wenn einer langsam geht, geht er natürlich etwas länger, als einer der schnell geht)
.

Das ergebnislose Gespräch lässt den Touristen fast verzweifeln.
Entnervt fragt er: “
Gesetzt der Fall: Sie müessten nach Worb gehe. Wie würde Sie gehen?”
Ja, da würde ich nicht gehen, da würde ich…fahren” antwortet der Einheimische und erklärt dem verblüfften Deutschen, dass zwar kein Omnibus nach Worb fährt, dafür aber ein Tram, genannt “das blaue Bähnli”.
Das sei allerdings gerade vor 2 Minuten abgefahren.
Ah. Das sage sie mir erscht jetzt, dass des Blaue Bahnli fährt!” ruft der Deutsche konsterniert aus.”
“Ja, dir heit mi o gar nid derna gfragt!” (Sie haben mich nicht danach gefragt) wehrt sich der Einheimische.

 

Fragen, die Dir den Weg zu Deinen Lebenszielen öffnen

Wenn Du Deine ersten Herzenwünsche bestimmt hast, stellst Du Dir eine Menge Fragen.
Die Antwort ist möglicherweise nicht schwieriger als die Frage, wie man vom Zytglogge nach Worb kommt.
Aber wenn Du die Frage “falsch herum” stellst, wie der deutsche Tourist, bekommst Du nicht die Antwort, die Dich weiter bringt.
Du stehst vor einer verschlossenen Türen – oder hochgezogenen Treppen.

Angenommen

  • Du möchtest mit dem Fahrrad um die Welt fahren oder
  • Du möchtest eine erfolgreiche Unternehmerin sein oder
  • wie ich viele viele Menschen ermutigen ihr Leben in die Hand zu nehmen und es zu gestalten, statt zu ertragen.

Dann fragst Du Dich “Wie soll das gehen? Wie mache ich das?”

Dies scheint eine gute Frage zu sein.
Ist es aber nicht.

Bei vielen Menschen löst diese Art zu fragen eine Art Black-out aus.
1000 Herausforderungen stürmen auf uns ein.
Besonders die Frage danach woher das nötige Kleingeld kommt und wie der Traum mit einem Job kombinierbar ist, löst unlösbare Fragen aus.
Wir haben keine Idee.
Oder wir sehen (theoretisch) tausend Möglichkeiten, wissen aber nicht, wie (konkret) anfangen.
Das entmutigt uns.

Wenn wir nicht gleich aufgeben, erzählen wir vielleicht Freunden und Bekannten von unserem Wunsch und erhoffen von Ihnen Ideen zu bekommen.
In der Regel funktioniert das nicht besonders gut.
Tipps und Ratschläge können wir oft nicht auf uns selbst übertragen.
“Das funktioniert bei mir nicht”, denken wir, noch während unser Gegenüber uns Ideen liefert, weil wir unsere eigenen Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und erlernte Strategien haben.

Der Weg der anderen ist ihr Weg.
Er lässt sich meist nicht kopieren.
Wir müssen unseren eigenen Weg finden.

ABER. Es gibt eine gute Nachricht.
Es gibt etwas Besseres als Tipps, Ratschläge und Anleitungen zur Frage “wie?”

Es gibt zwei gute Fragen.
Sie sind etwas vom Wertvollsten, das ich von John Strelecky gelernt habe*.
Sie wirken wie eine Zauberformel beim Finden von Lösungen.
Sie bringen Dich weiter, inspirieren und ermutigen Dich dran zu bleiben und das scheinbar “Unmögliche” zu verfolgen.

Du willst diese Fragen haben?
Okay – Trommelwirbel

Die Fragen beginnen mit dem kleinen entscheidenden Wort: “Wer…?”

 

Die erste Frage: Wer tut das bereits?

Wenn wir nicht fragen “Wie mache ich das?” sondern

  • Wer ist mit dem Fahrrad schon um die Welt gefahren?
  • Wer ist ein erfolgreicher Unternehmer?
  • Wer ermutigt Menschen?

bringt uns das in Kontakt mit Menschen, die uns eine Vorlage für unser Projekt liefern oder gar unsere Vorbilder sein können.
Von ihnen erfahren wir, dass sie auch einmal mit ihren ersten Schritten angefangen haben.
Wir begegnen einem Menschen, der uns ziemlich “normal” scheint.
Ohne Zauberkräfte.
Dass er oder sie so ein Abenteuer geschafft hat, macht Mut, selbst wenn wir spüren, dass wir anders vorgehen möchten.
Auch diese Person hatte keine Sieben-Meilen-Stiefel an.
Sie ist Schritt für Schritt gegangen,
hatte erste Erfolgserlebnisse,
hatte sich geirrt oder verirrt,
fiel auf die Nase und –
fand den Dreh raus.

Das – so wird Dir klar – kannst Du auch: Schritt für Schritt Dein Ziel verfolgen.

Die Chancen stehen gut, dass

  • es Dich inspiriert ähnlich oder gerade anders als diese Person vorzugehen
  • Du gute Tipps bekommst, was Du berücksichtigen solltest
  • diese Person jemanden kennt, der Dir bei bestimmten Fragestellungen helfen kann oder Dir Adressen zum Übernachtung nennen kann und… und… und…

Gangbare Wege werden sichtbar. Türen öffnen sich.

Der Unterschied zwischen der Frage: “Wie fange ich an?” und der Frage “Wer tut das bereits?” scheint genau so minimal, wie der Unterschied zwischen der Frage: “Wann fährt der nächste Omnibus nach Worb” zur Frage: “Gesetzt der Fall: Sie müessten nach Worb… wie würden Sie…?”
Und doch ist in beiden Fällen das Resultat ein völlig anderes:

Wenn ein Mensch Dir erzählt, wie er seinen Traum angepackt hat, dann entstehen in Deinem Kopf nicht 1000 Aufgaben, die angepackt werden müssten, sondern

  • Bilder, wie so etwas gehen kann,
  • Hoffnung, dass auch Deine kleinen Schritte Dich weiterbringen und
  • Ideen, wie Du mit Deinen Voraussetzungen, Befindlichkeiten und Rahmenbedingungen weiterkommen kannst.

 

Die zweite Wer-Frage

Meine eigene “Wer-Frage” führte mich vor kurzem zu einem Buch von Christine Thürmer, der meistgewanderten Frau der Welt.
Als ich von ihren Wanderungen von Mexiko nach Kanada las, merkte ich bald, dass ich nicht wie sie 20-30 km am Tag laufen möchte.
Ich will laufen, um die Welt zu entdecken,
um die Eindrücke in mir aufzunehmen,
um mich inspirieren zu lassen von all dem Schönen und Erstaunlichen, von dem ich umgeben bin.
Ein 20km-Ziel hält mich davon ab, mich für 1-2 Stunden im Wald auf die Bank zu setzen, ihn anzuschauen und seine Geräusche, Farben und Gerüche zu geniessen.

Als ich diese Erkenntnis mit einer Freundin teilte, antwortete sie mir, als hätte ich ihr die zweite Version der “Wer-Frage” gestellt:
“Kennst Du jemanden, der das tut, was ich tun möchte…?”

Sie erzählte sie mir von Erling Kagge der das Buch “Gehen. Weitergehen. Eine Anleitung” geschrieben hat. Der Autor packe das Gehen ganz anders an als Christine Thürmer, sagte meine Freundin.

  • Wir alle sind geborene Entdecker” las ich bald schon in Erling Kagges Buch und
  • “zu gehen verschafft ein Gefühl von Freiheit. Es ist das Gegenteil von “schneller, höher, weiter” und
  • Jeder glaubt zu wissen, dass Zeit gespart wird, wenn man von einem Ort zum anderen statt acht nur zwei Stunden unterwegs ist. Ja, mathematisch ist das sicher korrekt, aber meine Erfahrung ist eine andere: die Zeit vergeht rascher, wenn ich das Tempo erhöhe”.

Mein Herz hüpfte vor Freude. Erling Kagge fasste in Worte, was ich gerade zun entdecken begann.
Da hatte ich also wieder einmal einen “Wer” gefunden, einen Vorbild.

 

Die Folgen von Wer-Fragen

Kagge liess mich daran teilhaben wie er zum Nordpol und zum Südpol ging und wie er im Alltag das Gehen pflegt:
Manchmal geht er einfach ziellos vor die Haustüre, manchmal von A nach B, dann wieder stundenlang durch Städte, durch Museen…

Prompt löste sich durch seine Berichte meine dränge Frage “Wie mache ich das mit dem Wandern im Winter?”.
Ich begriff, es ist gar nicht so relevant wohin ich gehe.
Das Gehen an sich ist wichtig. Und das Entdecken.
“Gehen gibt dem Kopf Bodenhaftung” schreibt Kagge und zitiert wenig später Hippokrates, der vor den falschen Medikamenten der Ärzte warnte und betonte, dass kein Medikament besser sei, als einen Fuss vor den anderen zu setzen:
“Gehen ist des Menschen beste Medizin.
Diese Hinweise waren ein Geschenke für mich.

Wenn Du andere fragst, ob sie Menschen kennen, die etwas Ähnliches tun wie Du es willst, fällt Freunden und Bekannten ein, dass sie “um 7 Ecken” jemanden kennen.
Vielleicht rufen sie Dich ein paar Tage nach eurem Gespräch an, weil ihnen plötzlich einfällt, dass ihre Freundin eine Freundin hat, die eine Freundin hat, die eine Arbeitskollegin hat, die vor einem halben Jahr mit dem Fahrrad um die halbe Welt gefahren ist oder sie sind “zufällig” auf einen Blog oder ein Buch eines Rad-Weltreisenden gestossen.

Wenn Du einen Wer gefunden hast, versuche nicht sofort aus seinen Erlebnissen abzuleiten WIE Du selbst vorgehen könntest.
Lass seine Erfahrungen auf Dich wirken.
Beobachte ihn/sie.
Folge ihm/ihr.
Finde die Ähnlichkeiten zwischen Euch und die Unterschiede.
Das schärft Deine Vorstellung davon, wie Du vorgehen willst.

 


Die Strategie 8 um Deine Lebensziele zu finden – und nicht vorzeitig aufzugeben lautet:

Frage nicht “Wie kann ich meine Herzenswünsche verwirklichen”, sondern “Wer tut das was ich tun will bereits?” und “Kennst Du jemanden, der etwas Ähnliches tut, wie ich es tun möchte?”


 

* in John Strelecky, Wiedersehen im Café am Rande der Welt, S.84ff

Erlaube Dir das Sinnlose

Du bist wohl verrückt geworden!”
so antwortet das Huhn als das hässliche Entlein erzählt wie sehr es das Schwimmen und Tauchen liebt
Als Beweis dafür wie unsinnig, dieser Wunsch ist, verweist es auf die Katze und die Bäuerin, die seiner Ansicht äusserst klug sind:
Niemals würden die beiden schwimmen oder tauchen wollen.
In den Augen des Huhnes ist Schwimmen sinnlos.Sinnvoll hingegen erscheint ihm das Eierlegen.

Ähnlich wertete auch einer der grauen Herren, der Coiffeur Fusi besuchte. (Buch “Momo” von Michael Ende)
Er teilte Herr Fusis Alltagsbeschäftigungen in “nützlich” und “nutzlos” ein und kam zu Schluss: “Sie schlagen ihre Zeit mit nutzlosen Dingen tot…”
Drei Stunden täglich hätte Herr Fusi in den letzten Jahren einsparen und auf die Zeitsparkasse übertragen können.
Diese Guthaben hätte sich dank Zinsen innerhalb von 5 Jahren verdoppelt.
Herr Fusi  hätte viel Zeit “für später einmal” ansparen können.
Weil er das Zeitsp
aren versäumte, stand sein Guthaben nun auf null.

Herr Fusi ging den Argumenten des grauen Herrn auf den Leim.Ihm war nicht klar, dass die “nutzlosen” Dinge einen Sinn für sein Leben haben. Also strich er sie aus seinem Leben:

  • Beim ersten Kunden des Tages entdeckte er, dass er den Haarschnitt statt in 30 Minuten in 20 erledigen kann, wenn er mit dem Kunden nicht plaudert und “alles Überflüssige” weglässt.
  • Er verkaufte den Wellensittich, der in den Augen des grauen Herrn nur Zeit frass.
  • Er brachte seine Mutter ins Pflegeheim. Mit ihr hatte Herr Fusi jeden Abend eine Stunde lang gesprochen, obwohl sie fast taub war. “Das ist verlorene Zeit!”, erklärte der graue Herr und Herr Fusi sparte sie nun ein.
  • Auch den wöchentlichen Kinobesuch und den Gesangsverein gab er auf, genau so, wie die Gewohnheit jeden Abend 15 Minuten am Fenster zu stehen, um auf den Tag zurück zu blicken.

Seine Arbeit und sein Leben machten ihm so zwar keinen Spass.
Er wurde geradezu missmutig.
Aber er sparte Zeit.

Nach und nach ging es allen Menschen der Stadt so.Doch keiner wollte wahrhaben, dass sein Leben immer ärmer, gleichförmiger und kälter wurde.

Die Folgen der Nutzenorientierung

“Was ist für die Gesundung Deiner Patienten wichtig?” fragte ich vor einigen Wochen Jeannette Desebrock, meine Netzwerkkollegin, die als Homöopatin Krebskranke und chronisch Kranke begleitet.“
Meine Patienten” antwortete sie, “müssen etwas finden, das nutzlos, aber sinnvoll ist.Es
ist alles so nutzenorientiert. Das macht uns krank.”

Nutzloses ist also nicht sinnlos?
Natürl
ich nicht! Das erkennen wir, sobald wir darüber nachdenken.
Denn wir brauchen Oasen.

 

1. Nutzenorientierung zerstört die Lebensqualität und führt in die Sucht

All die Dinge, die Herr Fusi aus seinem Leben strich, schienen ihm nicht besonders wertvoll zu sein.
Doch als er sie einsparte, verschwand auch die Freude aus seinem Leben.
Zwar erhöhte sich d
er Lebensstandard in der Stadt, so zeigt die Geschichte von Momo:
Die Menschen konnten sich mehr leisten.
Die Kinder hatten mehr Spielzeug.
Die Erwachsenen konnten teurere Autos und Häuser kaufen.
Doch gleichzeitig litten sie unter dem grau-gewordenen Alltag.
“Und in der Stadt…” so stellte Momo eines Tages fest “in der Stadt wird es kalt”.

Die Menschen hatten keine Augenblicke für ein paar nette Worte mehr.
Sie konzentrierten sich vorallem auf ihr Tempo und vergassen dabei die Liebe zu ihrer Arbeit.
Plötzlich ging es nur noch darum die Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen.
Durch die eigene Eile trieb nun jeder den andern zur Eile an.
Der Umgang miteinander wurde ruppig und herzlos.

Das kommt Dir liebe Leserin, lieber Leser sicher bekannt vor.
Auch uns hat die “Zeitsparkasse” fest im Griff.
Auch wir spüren, dass es uns nicht gut geht mit der ständigen Eile, dem Mangel an Zeit für das Leben und füreinander.
Es fühlt sich nicht gut an als” menschliches Batteriehuhn” zu leben, das auf seine Produktivität reduziert wird.

Der Weg aus diesem Gefängnis ist einfach.Wir müssten wieder lernen, dass das Glück darin liegt Zeit zu HABEN und sich Zeit zu NEHMEN oder sich Zeit zu LASSEN, statt darin Zeit zu sparen.
Doch wer lehrt uns das schon?

Weil wir diese einfache “Therapie” nicht erkennen, verirren wir uns auf der Suche nach dem was uns gut tut.
Statt Glücksmomente zu schaffen, statt uns das ins Leben zu holen, was sich unser Herz im Tiefsten wünscht,
statt zu geniessen und wieder zu erleben, wie die Zeit vergeht, holen wir uns Dinge ins Leben, die uns anregen und (scheinbar) füllen:

  • Wir erwarten Erfüllung vom Erreichen beruflicher Höchstleistungen und dem damit verbundenen Einkommen.
  • Wir “verschönern” unser Leben mit Alkohol und Essen und oder
  • wir versetzen uns mit Filmen oder Zukunftsträumen in ein Morgen, das niemals kommen wird, weil wir vom guten Leben träumen, statt es zu leben.

2. Wir setzen falsche Lebensziele

Wenn wir den Sinn des scheinbar “Nutzlosen” nicht sehen, schieben wir unsere Wünsche beiseite und ignorieren sie.
Ja, wir bezeichnen sie gar als nicht realistisch, nicht so wichtig, unsinnig, kindisch oder blöd.

Vielleicht taucht in einer ruhigen Minute die Erinnerung daran auf,

  • dass man längst von einem “verrückten Vorhaben” träumt,
  • dass man etwas von der Welt sehen oder
  • mehr Zeit mit seinen Liebsten und Freunden verbringen möchte.

Doch wir schauen uns den Wunsch nur kurz an und schieben ihn beiseite, weil wir mehrer Gründe finden warum dafür jetzt gerade keine Zeit ist.
In Wirklichkeit aber, tun wir das, weil uns nicht klar ist, dass genau diese Wünsche Farbe und Lebendigkeit in unser Leben bringen.

Der Impuls seinen Bedürfnissen zu folgen, ist beim Kind noch stark weil es sich nicht hinterfragt.
Man denke nur an das Geschrei eines Zweijährigen, wenn es seinen Willen nicht bekommen!

Doch viele von uns lernten als Kind, dass die eigenen Wünsche und Bedürfnisse bei den Eltern schlecht ankommen.
Streit, Strafe und Ablehnung war die Folge, weil die Eltern nicht wussten, wie sie friedlich die eigenen Bedürfnisse mit denen des Kindes in Einklang bringen können.
Also lernten wir als Kind “zu funktionieren”, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse beiseite zu schieben und uns dem Tempo und den Bedürfnissen anderer anzupassen.
Mit der Zeit spürten wir die Impulse in uns, also das was in uns lebendig ist, immer weniger. Sie verblassten.
Was wir wirklich wollen, wird zu einem leisen Geräusch im Hintergrund.
Deshalb können wir als Erwachsener unsere inneren Impulse, durch rationale Argumente, mit Leichtigkeit beiseite schieben.

Doch wie sollen wir nun Lebensziele setzen?
Mit dem Verstummen unseres Inneren ist uns auch der innere Kompass abhanden gekommen!

Ersatzweise orientieren wir uns an unseren Gedanken, setzen unsere Ziele mit dem Kopf und glauben damit zu wissen, was wir wollen.
Zu den wahren Wünschen dringen wir nicht mehr durch.
Jahrzehntelang können wir so die Bedürfnisse des Körpers nach Bewegung und der Seele nach Leichtigkeit, Verspieltheit und Sinn ignorieren.

Doch je grösser die KLuft zwischen unserem wahren Selbst und dem was wir leben wird,desto mehr steigt das Risiko, dass es uns nicht mehr gut geht in unserem Leben.
Von mieser Stimmung bis zu Burnout, Essstörungen, Depression und körperlichen Krankheiten ist alles möglich.

Wir können nicht verstehen, warum uns das Erreichen unserer “Kopfziele” nicht erfüllt, sondern Leere mit sich bringt.
Manchmal müssen wir arbeitslos, körperlich oder psychisch krank werden bevor wir merken, dass das Leben auf diesem Kurs ins Nichts führt.

Den Weg zu seinem Herzen wieder finden

Im Buch “Ich und mein Essverhalten” habe ich erzählt, wie ich selbst lange Zeit nicht wahrnahm, welche Bedürfnisse ich wirklich habe.
Sie wieder auszugraben war ein längerer Prozess. Aber im Grunde lässt er sich auf zwei Massnahmen reduzieren.

Sehnst Du Dich nach mehr Lebensqualität?Möchtest Du Deine Herzenswünsche finden, statt Zielen zu folgen, die Dich leer zurücklassen?
Dann tu zwei Dinge:

1. ein bewertungsfreies Umfeld schaffen

Nachdem ich als junge Frau von zu Hause wegging, traten Menschen in mein Leben die es interessierte, was ich wirklich will.
Sie fühlten sich nicht berufen mir zu sagen, was richtig und was falsch ist (auch wenn sie selbst ihre Vorstellungen hatten).
Sie konnten “etwas stehen lassen”.

Ich begann diese Haltung zu üben.
Ich lernte es zu akzeptieren, dass ich ein unerklärliches Interesse an Bibliotheken und Büchern habe.
Ob es Sinn macht oder nicht, ich “liess es stehen”, analysierte es nicht, akzeptierte es einfach als gegeben.
“Es ist wie es ist” wurde einer meiner Lieblingssätze.
Mein Umgang mit mir wurde freundlicher und aufmerksamer.
“Aha, so ist das”, sagte ich sachlich und freundlich zu dem was ich an Gedanken, Wünschen und Bedürfnisse in mir wahrnahm.
Das half mir vor immer ehrlicher zu meinen wirklichen Wünsche zu stehen.

So wie die Wünsche und Bedürfnisse verblassen, wenn sie negativ bewertet oder ignoriert werden,so werden sie wieder deutlicher, wenn wir sie beachten ohne sie zu beurteilen.

2. ausprobieren

Wenn wir auf das was wir wirklich wollen eingehen und unsere Bedürfnisse nach Möglichkeit erfüllen – auch wenn es sinnloses Zeug zu sein scheint – bringen wir Freude ins unser Leben und entdecken das Gefühl der Lebendigkeit wieder.
Die Wünsche nicht mehr negativ zu bewerten (siehe oben) ist der erste Schritt.Handeln ist der zweite.

Doch Achtung, bleibe mit Deinen Wünschen nicht im Kopf!
Analysiere nicht, ob etwas für dich gut sein wird oder nicht.
Analyse ist Theorie.Erleben ist konkret und gibt Dir ein unmittelbares Feedback, ob Dir etwas gut tut oder nicht.Dein Kopf sagt vielleicht, dass Sandburgenbauen sinnlos ist – vor allem wenn es Erwachsene tun.
Aber wenn Du Dir – als Alibi – eines Deiner (Nachbarkinder) schnappst und es zum Sandburgenbauen mit Dir (eigentlich wegen Dir) einlädtst, wirst Du spüren, ob Du unendlich gelangweilt oder müde und glücklich nach Hause zurückkehrst.

Schau’ das Leben als Dein Betätigungsfeld an, das Dir zur Verfügung steht.
Es ist wie ein Spielplatz auf dem Du alles ausprobieren kannst.
Du brauchst nichts zu wiederholen, wenn es Dir nach einem ersten Versuch nicht gefällt.
Aber probiere es aus – alles!
Lass Dich nicht von Ansichten anderer oder Deinen eigenen Gedanken dazu verleiten Dinge, die Dich reizen nicht zu tun.Lerne auf deine “kleinen Verrücktheiten” einzugehen.


Der Schwan in uns hat in den Augen eines Huhnes, wirklich absurde Interessen. In meinem Fall:

  • nichts-tuend auf einer Bank sitzen und die Gegend betrachten
  • im Gras liegend in das Lichtspiel zwischen Sonnenstrahlen und Bäumen schauen
  • dem Rauschen des Windes oder eines Gewässert zuhören
  • Fotos machen
  • ständig neue Bücher lesen
  • Büchern die weggeworfen werden sollen ein zweites Leben zu geben
  • die Welt anschauen und 
  • Rezepte ausprobieren.

Andere sammeln Briefmarken, reisen jedem Oltimer-Rennen nach, zeichnen Stammbäume und recherchieren alles über ihre Vorfahren oder den Ort an dem sie wohnen. Sie schreiben Gedichte oder ihre Biografie, flicken Autos oder Velos, gründen einen Verein, erlernen eine Therapieform, obwohl sie keinen Klienten haben oder studieren Russisch.

Wenn wir diesen Interessen mit Begeisterung nachgehen, wird darüber nicht selten gelächelt.
Wir werden als ein bisschen verrückt wahrgenommen. Tatsache ist: jeder von uns hat Interessen, denen er gerne nachgeht oder nachgehen würde, die auf den ersten Blick keinen Nutzen haben, sondern nur einem unerklärlichen Interesse entspringt.

Lerne wieder die Zeit für solche nutzlosen Dinge zu haben, denn Zeit haben und Wünsche zu verwirklichen macht glücklich, nicht Zeit sparen.

Schaue nach einer gewissen Zeit, was passiert.
Sind nun mehr oder weniger gute Museumstage in Deinem Leben?
Gibt Dir das eine Inspiration dazu, wohin Du mit Deinem Leben in Zukunft willst?

Die Ausprobier-Liste

Wie würde Dir eine Liste gefallen, die Dir 75 Ideen gibt, was Du Ausprobieren könntest, um

  • Farbtupfer in Dein Leben zu bringen und
  • wieder deutlicher zu spüren was Du wirklich willst?

Es gibt sie.
Sie ist kostenlos.
Im e-Book “Glücksmomente schaffen, statt nur vom Glück zu träumen”.

Nach einigen einleitenden Worten, die Du vorerst überspringen kannst, findest Du eine lange Tabelle mit Vorschlägen.
Viele kosten kaum Zeit und Geld und bringen doch Farbe ins Leben und lassen Dich erleben, was Dir gefällt.


Eine wichtige Strategie um seinen Lebenszielen auf die Spur zu kommen ist: “Pflege das Nutzlose “.


 

Bestelle im Feld oben rechts die Ideenliste!

 

Deine Abneigung ist ein Wegweiser

Panama ist das Land unserer Träume!”
Der Bär war begeistert. Er hatte am Morgen eine Holzkiste aus dem Fluss gezogen, die herrlich nach Bananen durftete.
Darauf stand “Panama”.

Dort ist alles noch viel schöner”, schwärmte er dem Tiger beim Abendessen vor. “Viel grösser – und…
…Panama riecht von oben bis unten nach Bananen!”.

Der Tiger liess sich von dieser Begeisterung anstecken. obwohl sie beide sehr glücklich waren in ihrem kleinen Paradies.
Am nächsten Morgen standen sie besonders früh auf, um nach Panama zu gehen.

“Wenn man den Weg nicht weiss,” sagte der Bär
“braucht man zuerst einen Wegweiser.”

Deshalb holte er sein Werkzeug und bastelte einen aus dem Holz der angeschwemmten Bananenkiste.
“Panama” schrieb er darauf, stellte ihn auf und schon liefen sie los!”

“Wenn das nur gut geht!”, denkt man als Leser.
Denn wohin der Wegweiser zeigte, war natürlich Zufall.
Aber wer die Geschichte aus Janosch’s Traumstunde kennt, weiss: es kam alles gut.

Die beiden hatten keinerlei Ängste.
“Schliesslich sind wir stark wie ein Bär und stark wie ein Tiger,” fanden sie.
Zudem fragten sie jeden den sie trafen nach dem Weg, um am richtigen Ort anzukommen.

Diese Geschichte zeigt:
Steht erst mal etwas auf dem Wegweiser, dann schlägt man sich schon durch.

 

Was passiert, wenn nichts auf Deinem Wegweiser steht

In unserem Leben  gibt es oft aber keinen Wegweiser, dem wir folgen können.

Uns ist klar: dies und das gefällt uns nicht im Leben.
Wir beschweren uns innerlich oder gar laut über manches in unserem Leben, so wie die Teilnehmer in den Bewerbungskursen in denen ich vor Jahren als Jobcoach arbeitete.
Die Teilnehmenden sagten: “Ich will einfach wieder einen Job. Arbeitslos zu sein ist furchtbar. Die Sorgen um die Zukunft und das Gefühl nicht gebraucht und nicht mehr eingebunden zu sein ist zermürbend. Bloss raus aus der Arbeitslosigkeit!”

Fragte ich: “Okay, was für einen Job möchtest du?”, dann definierten sie kein Traumziel. Jetzt wo sie Zukunftssorgen hatten, fiel es ihnen schwer mehr als das Nötigste vom Leben zu verlangen. Sie sagten: “irgendeinen” oder “so einen wie bisher”. Und das obwohl sie im bisherigen Job gar nicht glücklich gewesen waren.
Allerdings erschien ihnen der alte Job, nun da sie sich mit den Konsequenzen der Arbeitslosigkeit herumschlugen, in einem positiven Licht.
Beinahe vergassen sie, wie viel Ärger und Frustration er in ihrem Leben verursacht hatte.

Bei Menschen die einen Job haben, ist es nicht viel anders. In der Tagesschau wird manchmal bekannt gegeben, wieviele Schweizer, gemäss einer Umfrage, über einen Jobwechsel nachdenken.
Es sind immer überraschend viele. Nicht nur ein paar. Im September 2017 soll jeder 4. unzufrieden gewesen sein (gemässUmfrage transfer plus)
Wenn ich am Montag früh in einen Zug oder Bus steige – was ich nach Möglichkeit meiner guten Stimmung zuliebe vermeide – schlägt mir eine bedrückende Stimmung entgegen.
Und doch gehen alle an diesem Montag und am nächsten Montag wieder an ihren Arbeitsplatz.

Logisch, so sichern die meisten von uns unser Einkommen.
Wie ich, so beklagen sich viele über Jahre über Dinge mit denen sie unzufrieden sind, sie quälen sich durch Frust, Demotivation, ertragen dass andere bestimmen was wichtig ist und sie Dinge tun “müssen”, die sinnlos sind…

Und warum das alles?
Vermutlich gibt es unterschiedlichste Gründe. Ich kann Dir von meinen erzählen:

Einerseits hatte ich Angst kein gesichertes Einkommen mehr zu haben.
Andererseits wusste ich eher, was ich nicht will, als was ich will.
Auf meinem Wegweiser stand, wohin es NICHT gehen soll
und so ging ich – nirgendwo hin.

Ich störte mich an Dingen, rieb mich innerlich auf
und doch – die aktuelle Situation war erträglich.
“Es könnte
 viel schlimmer sein,” sagte ich mir.
“Du hast e
inen tollen Job, mit interessanten Aufgaben und guter Bezahlung. Jetzt stell dich nicht so an!
Anderen geht es schlechter. Und dir ging es auch schon viel schlechter!
Man weiss nie, was kommt, wenn man etwas aufgibt.”

Dese Mischung aus Routine, Angst und falscher Genügsamkeit verhinderte, dass ich mir den Wegweiser zum Land meiner Träume bastelte.
Kein Zufall
 vermutlich. Denn die unbeantwortete Frage war ja: Was schreibe ich darauf?

So drehte ich mich über mehrere Jahre im Kreis.
Mal klagte ich, mal war ich eher zufrieden, dann wieder total frustriert.
Und doch kam ich nicht zum Schluss, wohin es gehen soll.
Das sich beklagen, gibt zwar auch eine Art von Befriedigung, aber es führt nicht weiter.

So vergeht die Zeit.
So vergeht ein Leben.

Steht auf Deinem Wegweiser klar, wohin es in Deinem Leben geht?
Wenn nicht, dann schlage ich Dir  vor: Lass uns einen Wegweiser-Workshop machen!

Der Wegweiser wird Dir noch nicht sagen, WIE Du ans Ziel kommst und WIE Du finanziell überlebst.
Aber er wird Dir sagen, WOHIN die Reise gehen soll
.
WIE Du das machen wirst, ist jetzt noch nicht die Frage.
Und es ist auch egal, wenn Der Wegweiser in die falsche Richtung zeigt. Das richtige Ziel muss darauf stehen, dann wirst Du Dich, genau wie der Tiger und der Bär zu Deinem Ziel durchfragen.

 

Vom NICHT-Ziel zur unwiderstehlichen Zukunftsvision

Klagen bringen nicht weiter, habe ich oben geschrieben.
Allerdings: Wenn wir die Klagen übersetzen, weisst Du bald was auf dem Wegweiser stehen soll.

Beginnen wir damit, was Du in Deinem Alltag tun willst, also womit Du am liebsten Geld verdienen möchtest. Denn das ist ein grosser Teil Deines Lebens.
Wenn du vorankommen willst, hole Dir einige Seiten Papier und mache die folgenden 2 Aufgaben.

 

Aufgabe 1: den Job aus der Hölle beschreiben

Beschreibe wie Deine alltägliche Arbeit sein müsste, damit Du mit Fug und Recht behaupten kannst, das sei ein “Job aus der Hölle”?
Was tust Du. Mit wem? Wo? Wann?
Krame in Deinen Erinnerungen: welche schrecklichen Jobs/Chefs/Kollegen/Umstände hattest Du schon?
Übertreibe ruhig etwas, während Du Dir Notizen machst. Geniesse das schwarz malen.

Diese Übung habe ich in Barbara Sher’s Buch “Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will.” entdeckt und als Bewerbungscoach öfters mit meinen Kursteilnehmenden gemacht. Interessanterweise tut sich mit dieser Übung niemand schwer. Jeder kann sich seinen Job aus der Hölle genau vorstellen. Auch wenn die Hölle für jeden anders ist. Was der eine hasst, ist der Traum des anderen.

Schwer ist es hingegen zu sagen, was man wirklich will. Aber wenn wir nun Deine Abneigungen ins Gegenteil drehen, wirst Du Deinen Wünschen auf die Spur kommen. Denn unsere Klagen sind negativ formulierte Wünsche.

 

Aufgabe 2: auf den himmlischen Job schliessen

Notiere auf neuen Blättern was “ein himmlischer Job” sein könnte. Leite es aus dem ab, was Du in Aufgabe 1 notiert hast und suche dessen Gegenteil.

Beispiel: Wenn Dich der Lärm eines Grossraumbüros nervt, dann wäre der Traum vielleicht ein eigenes Büro.

Ja – das wäre eine Variante.
Doch ist das wirklich das Land Deiner Träume?
Vielleicht möchtest Du gar kein Büro haben.
Was wäre wirklich Deine Wunsch-Arbeitsumgebung? (Egal, ob es möglich ist oder nicht – aufschreiben – nicht nachdenken!)
Vielleicht würdest Du – zumindest eine Zeit lang – lieber als Surflehrer arbeiten oder als Kindermädchen in einer reichen Familie, die ständig unterwegs ist.
Oder als Gärtner.
Das würde Dir viel besser gefallen als die Arbeit im Büro.

Nur keine Scheu, nichts ist endgültig.
Spinne einfach mal von Herzen herum.
Wünsche nicht zu brav.
Übertreibe aber auch nicht. Versuche möglichst ehrlich festzulegen, was das gewünschte Gegenteil sein könnte, das zu Dir passt.
Auch wenn Dir der Wunsch absurd scheint und Du keine Ahnung hast, wie Du dahin kommst. Aufschreiben!
Traue Dich über den engen Rahmen des Gewohnten hinaus zu denken und zu träumen! 

Das “wo arbeiten?” hätten wir also aus Deinen Notizen abgeleitet. Gehe nun auch die anderen Fragen Schritt für Schritt durch: Was tust Du? Mit wem? Wann?

Deinen Frust, Deine Klagen in eine Vision von einem guten Leben zu entwickeln, ist gar nicht so schwer, stimmt’s?

 

Einige Beispiele aus meinem Leben

Mein Job aus der Hölle schloss Folgendes ein: “eine Stunde pro Tag zu pendeln, acht Stunden pro Tag bewegungslos auf dem Bürostuhl zu sitzen, ständig den Terminen hinterher jagen und im Stress sein.”

Mein erster scheuer Traum war es öfters im Home office zu arbeiten.
Mir war nicht klar wie wertvoll es ist Verrücktes in Betracht zu ziehen.
Ich träumte viel zu brav.

Doch diesen ersten Wunsch konnte ich mir doch erfüllen und das Pendeln reduzieren.
Also packte ich das Thema “nicht mehr lange sitzen müssen” an.
“Sich bewegen, aber nicht im Fitness-Studio, sondern im Job” war der Wunsch.
“Aber wie?” fragte ich mich.
“Und womit verdienst Du dann Geld” fragte das mein überbesorgtes Zukunfts-Ich.

Fürs erste entschied ich meinen Projektleiterjob zu kündigen (was mir den Mut gab, erzähle ich später.).
Für befristete Zeit – als Zwischenlösung und Test – arbeitete ich in der Gastronomie in den Bergen.
Das war nicht schlecht, was die Bewegung und das Draussen-sein betraf.
Aber es war nicht das, was ich die nächsten 20 Jahre tun wollte.

Im letzten Jahr wurde mir klar: wenn ich auf Entdeckungsreise gehe, bin ich aktiv.
Ob ich mir eine Stadt oder ein Museum anschaue oder im Wald nach Beeren suchen, sofort ist das Sitzen beendet.
Wenn dann noch mein Bü
ro im Rucksack mitkommt, lässt sich parallel dazu auch Geld verdienen.
Das “WIE” fand sich.

Seit einem halben Jahr ist es Realität:
Ich arbeite zu 70 % “draussen”.
Phasen zwischen Sitzen und Laufen wechseln sich ab.
Mein Büro ist mal ein Holztischchen im Wald mit Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau, mal ein Café in einer fremden Stadt, dann ein geschliffener Stein auf dem ich sitze, während die Füssen in der Emme (Fluss im Emmental) für Abkühlung sorgen.
Ein klimatisiertes Büro? Ich beneide niemanden darum! Wälder und Flüsse “klimatisieren” schöner.

Wie werde ich das im Winter machen?
Bis vor 5 Tagen hatte ich keine Ahnung. Jetzt zeichnen sich Möglichkeiten ab. Kein Wunder, denn dieses Ziel bleibt auf meinem Wegweiser, nachdem ich erfahren habe wie positiv müde, aber energiegeladen ich nach Hause komme, wenn ich fast den ganzen Tag draussen war und neben der Arbeit 2-3 Stunden gelaufen bin.

 

Aufgabe 3: Freunde um Input bitten

Wenn Du schon ziemlich zufrieden bist mit der schriftlichen Verwandlung Deines Höllenjobs in einen himmlischen Job, dann zeige die beiden Texte einer Freundin die hinter Dir steht und Dich nicht beeinflussen will.
Sie soll Dir nicht sagen, was sie über Deine verrückten Visionen denkt, sondern, was ihr auffällt. Denn manchmal sehen wir das Offensichtlichste nicht.

Bei mir hat es zum Beispiel ewig gedauert, bis ich erkannte, dass in meinem himmlischen Job nirgendwo ein Chef vorkam. Im Höllenjob beklagte ich mich darüber, dass meine Chefs Entscheidungen über mich und über den Verlauf der Projekte trafen und ich manchmal wenig beeinflussen konnte.
Das entfiel im himmlischen Job natürlich.
Aber erst im Gespräch mit anderen fiel es mir auf: nirgendwo hatte ich ein Wort über meinen Chef geschrieben. Es gab keinen.
Das sind unsere “blinden Flecken”. Was uns vor Augen ist, können wir nicht sehen. Deshalb kann für uns aufschlussreich sein, was andere wahrnehmen.

Du hast die 3 Aufgaben gemacht? Dann ist der Wegweiser gezimmert und beschriftet.
Wenn Du Lust hast – und ich nicht gerade im Dutzend Anfragen bekomme – dann schaue ich mir Deine Aufgaben gerne an und schenke Dir dieses Feedback.

 


Strategie 6 um Deine Lebensziele zu finden heisst:

Wisse was Du nicht willst! – und entwickle daraus eine unwiderstehliche Zukunftsvision.


 

P.S.: Die Geschichte ist allerliebst. Wenn Du sie hören magst, hier ist der Link

Wie Du mutiger wirst Deinen Weg zu gehen

Ach, würde nur ein Brief vom Himmel fallen!
Einer in dem steht, was ich tun soll.”
So hörte ich meine Klientinnen seufzen, die zu mir in die Beratung kamen.
So dachte ich selbst oft.

Auf der Suche nach dem Richtigen

Manche Menschen gehen unbeschwert an die Aufgabe heran ihr Leben zu gestalten.
Sie machen sich nicht zu viele Gedanken.
Aber viele Gewissenhafte, Idealisten oder spirituell-philosophisch veranlagte Menschen wollen wissen:
Was ist richtig und was ist falsch?”
Was ist mein Weg? Wie soll ich leben?

Selbst wenn sie wissen, was sie wollen,
wenn sie Lust verspüren einen bestimmten Weg einzuschlagen –
sie bleiben kritisch.
Schliesslich hätten sie manchmal auch gute Lust, dem Verträger der Gratiszeitung ans Bein zu treten, wenn er wieder alle übrig gebliebenen Zeitungen einer Tour in ihren Briefkasten gesteckt hat.

Hinderliches Gestrüpp

Doch hinter dem sehnsuchtsvollen Wunsch nach einem Briefchen von Himmel
steckt manchmal noch mehr:
Ein Gewirr aus Angst, Verpflichtungs- und Schuldgefühlen, das die eigenen Wünsche erstickt.
Wie bei der Aline, die es seit Jahren erträgt von ihrem Mann ins Gesicht geschlagen und mit Worte und Blicken abgewertet zu werden.
Der Schmerz ist gross – vor allem der emotionale . Aber sie bleibt.
Sie hält aus.
Sie handelt nicht.
Warum?
Weil sie verstrickt ist in Schuld, Verpflichtung und Angst.

“In guten, wie in schlechten Zeiten – das hast Du ihm versprochen”, sagt das Verpflichtungsgefühl.
“Wärst du eine bessere Partnerin, würde er nicht so ausrasten” flüstert ihr die Schuld zu.
“Sicher wird alles noch Schlimmer, wenn Du etwas unternimmst!” prophezeit die Angst.

Das ist eine verzweifelte Situation.
Jemand der einem sagt, was man tun soll …. kann … darf…- das wäre hilfreich, beruhigend und tröstlich.

Vielleicht findest Du dieses Beispiel extrem.
Doch genau darin liegt seine Kraft:
Der Konflikt von Aline ist so offensichtlich.

Jede gute Freundin würde zu Aline sagten “Du musst etwas tun”.
Doch wer eine Aline zur Freundin hat weiss, sie kann (noch) nicht.
Wir verstehen nicht warum, denn wir können die Einflüsterungen der Pflicht, Angst und Schuld nicht hören, die sie gefangen halten.
Selbst Alline nimmt sie kaum wahr.

Deine Situation ist vielleicht nicht so dramatisch.
Aber ich behaupte: Jedem von uns rauben Ängste, Verpflichtungs- und Schuldgefühle den Mut zu handeln.

Wir alle schlagen uns mit diesem Gestrüpp herum, wenn es darum geht den eigenen Lebenszielen zu folgen:
Das Leben das wir führen, tut uns nicht gut.
Doch wir verweisen auf unser Verpflichtungen.
Wir finden Gründe, warum wir unserem Herzen nicht folgen können.
In Wirklichkeit kämpfen wir mit der Angst zu scheitern, mit der Angst unsere Existenzgrundlage zu verlieren oder die Wertschätzung unseres sozialen Netzes.
Schon beim Gedanken einige Verpflichtungen nicht länger zu erfüllen, damit wir unsere Ziele verfolgen können, tauchen leise Ängste und Schuldgefühle auf.

 

Der Kompromiss

Was passiert also, wenn der Dschungel an Angst, Pflicht und Schuldgefühlen uns keinen Raum zum Wünschen und Handeln lässt und kein Briefchen vom Himmel kommt?
Im schlimmsten Fall: nicht viel.

Aus Angst bleiben wir bescheiden:
Wir geben uns mit einem kleinen Lebens-Radius zufrieden.
Da fühlen wir uns sicher. Da glauben wir Fehler vermeiden zu können.
Wir bleiben im sicheren Hafen.
Wir schleichen durchs Leben.
Wir geben uns mit einer Nebenrolle im Theater des Lebens zufrieden.

Sich voll ins Leben zu stürzen und dem Leben das abzuverlangen, was möglich ist?
Was für eine verrückte Idee!

Vielleicht liebäugeln wir mit Herzenswünschen, aber wir preschen nicht vor, um sie zu verwirklichen.
So kann uns niemand vorwerfen können, wir hätten Dummheiten gemacht.
Wir haben uns nie zu weit hinaus gewagt.
Wir haben nie ein zerfetztes Segel kassiert.
Wir haben nie Schiffbruch erlitten.

Wie Du das wohl am Ende deines Lebens beurteilen wirst – das Leben im sicheren Hafen?

wolke

Schritte in die Freiheit

Doch was kannst Du tun, wenn Dich Ängste, Schuld- und Verpflichtungsgefühle davon abhalten, Deine Lebensziele zu finden und zu verwirklichen?
Lass Dich zu den ersten Schritten inspirieren, während Du liest, wodurch sich mein Leben geändert hat.

1. Erkenne das wahre Problem!

Je mehr ich begriff, dass mich die Abwertung, Dominanz und Manipulation aus meiner Kindheit in das Gewirr von Schuldgefühlen, Unfreiheit und Angst geführt hatten, um so mehr verstand ich:

  • das sind Altlasten aus meiner Familie
  • das ist emotionaler Missbrauch
  • das sind NICHT die Regeln des Lebens.

So verloren das Geflüster der Angst, Verpflichtungs- und Schuldgefühle an Autorität.
Ich begann mich für Besseres zu öffnen.

 

2. Schmeiss’ Deine Brille weg!

Meine Ängste, Verplfichtungs- und Schuldgefühle legten sich, wie die Farbe einer getönten Brille, auf meine Einstellung zum Leben:
“Handle erst, wenn Du sicher bist, welches der richtigen Weg ist!” das war eine meiner Regeln.
Das bedeutet – ich wartete.
Denn oft sah ich den richtigen Weg nicht.

Doch eines Tages stiess ich auf eine Passage des neuen Testamentes und erlebte eine heilige, beziehungweise eine heilsame Irritation. Frei übersetzt stand da:
Wenn ihr Pläne macht und sagt “Morgen werde ich in die und die Stadt gehen und das und das tun, so wäre es angemessen, dem einen Satz beizufügen. Den Satz ”Wenn Gott will und ich das Leben habe”.

Ich stutzte.
Das entsprach überhaupt nicht den Lehren meines damals sehr christlich geprägten Umfeldes, in dem es galt das Richtige zu machen.
In diesem Text kritisierte Gott nicht, DASS diese Menschen Pläne machten.
Er bemängelte nur, dass sie ihre Pläne für absolut hielten.

Diese Einsicht war ein Wendepunkt.
Meine “warte-ab-Regel” war Mist.
Sie war das Resultat meiner Angst-Schuld-Pflichtgefühl-Brille.

Ich warf sie weg – die Regel und die Brille.
Ich lernte darauf zu hören was ich will und genoss die Erlaubnis Pläne zu machen.

Ich liess mir nicht mehr einreden, dass ich zuerst wissen muss, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dann erst handeln darf.
Heute sagen mir Menschen, ich sei mutig.
Das mag so wirken, wenn man mir zusieht, wie ich kleine und grosse Abenteuer wage.
Ich finde mich nicht sehr mutig.
Ich habe nur viel Freiheit.

 

3. Grabe Deine Wünsche aus!

Kinder wissen genau was sie wollen.
Erst wenn sie für ihr Wünschen oft genug beschimpft oder bestraft wurden, schütten sie den Zugang zu dem was sie wirklich wollen zu.
Doch verschüttete Zugänge können wieder entdeckt werden.
Jedes Pflänzchen, dem man genügend Schutz und Nahrung bietet, kann wieder wachsen.
Auch das Wünschen und Wollen.

Ich lernte das Wünschen zuerst beim Essen wieder.
“Was will ich wirklich?”, fragte ich mich, wenn ich zum Einkaufen ging. Und kaufte in der ersten Zeit all das, was ich mir seit Jahren verboten hatte.
Im Restaurant:
“Gefällt mir was in der Speisekarte steht oder wünsche ich mir vom Kellner eine “Eigenkreation”?

Essen ist ein Lebensbereich, in dem Du das Hören auf Deine Wünsche gefahrlos trainieren kannst.
Du kannst aber auch vor einem Schaufenster all die Dinge, die Dir gefallen in eine Wunschtüte stecken oder aus einem Ferienkatalog die Destinationen auswählen, die Dich reizen.
Du kannst auf den Einkaufzettel oder die Wochenendplanung gucken und Dich fragen:

  • Was will ich wirklich?

Wenn Du darauf die Antwort kennst, dann gehe einen Schritt weiter.
Erlaube Dir über Deine Herzenswünsche nachzudenken.

 

4. Umarme die Verantwortung!

Als Schwester sehr viel jüngerer Geschwister habe ich schon früh Verantwortung für andere übernommen und sie beschützt.
Für mich selbst aber, übernahm ich lange keine V
erantwortung.
Mich selbst schützte ich viel zu wenig.
Ich liess geschehen.
Bis mir klar wurde, dass auch Nicht-Handeln ein Handeln ist.
Auch mit der Entscheidung nichts zu entscheiden, hatte ich meine Entscheidung getroffen.

Wir werden die Verantwortung für uns nie los.

Frage Deine Freunde und Bekannten, was Du tun sollst.
Die einen sagen A. Die anderen sagen B.
Was zeigt Dir das?
Entscheidungen trägst Du immer allein.
Selbst wenn Du einem Rat Deiner Freunde oder dem Tageshoroskop folgst: Es ist Deine Entscheidung diesem Rat zu folgen.
Niemand anderes als Du selbst, hast dafür die Verantwortung.

Am Besten, Du und die Verantwortung werdet Freunde.
Beginne mit kleinen Schritten:

Streiche alles aus Deinen Worten und Gedanken, das Dich als hilfloses, “unschuldiges” Opfer seiner Umstände dastehen lässt. Sätze wie

  “… ich kann nichts tun…”
“Ich musste …”
“Es ging nicht anders…”

Hinterfrage alles, was Dir Ansprüche auferlegt

“Du solltest…”
“Du musst…”
“Hättest Du nur…”

Wähle Worte, die Dich zum Akteur Deines Lebens machen:

“Ich will… Ich habe entschieden… Ich werde…”

Anfangs meinst Du es sei eine Last, für alles was Du tust, denkst und lässt, die volle Verantwortung zu übernehmen.
Du wirst aber merken: Dein Leben ganz in die Hand zu nehmen, ist eine Lust.


Hier also die Strategie 4 um echte Lebensziele zu finden:

Sei LebensgärtnerIn! – Lerne (wieder) zu wollen, lerne zu entscheiden, zu handeln und Verantwortung für Dein Leben zu übernehmen


 

P.S.: Du möchtest mehr über Verpflichtungsgefühle, Ängste und Schuldgefühle erfahren und in eine neue Freiheit kommen?
Tipp 1: Lies Susanne Forward’s Buch “Vergiftete Kindheit” . Es ist in meinen Augen eines der Besten zum Thema.
Tipp 2: anfangs Jahr 2020 wird mein Buch zum Thema “Emotionaler Missbrauch” erscheinen. Wenn Du meinen Newsletter abonniert hast, halte ich Dich dazu auf dem Laufenden.

5 Fragen die verhindern, dass Du Dein Leben verpasst

Im Juni 2017 habe ich meinen gut bezahlten Projektleitungs-Job gekündigt. Ohne genau zu wissen, was ich danach tun werde.

Die Firma in der ich angestellt war hat “Rang und Namen” in der E-Learning-Branche, experimentiert mit modernsten Führungsmethoden (selbstverantwortliche Teams) und hat einen Anspruch, der mich fasziniert: beste digitalen Lehrmittel zu entwickeln.
Dieser Job forderte mich jeden Tag heraus mich auf neue Themen einzulassen und mein Bestes zu geben. Ich liebte es.
Doch mein Inneres liess sich nicht täuschen: ein Teil in mir litt. Etwas fehlte.

Als dann eine Beziehung zerbrach, hatte ich das unbestimmbare Gefühl, das habe auch damit zu tun, dass ich zuviele Kompromisse in meinem Leben mache. Also besuchte ich im Juni 2017 ein 2-tägiges Seminar bei John Strelecky & Friends in Hamburg, um mein Leben genauer unter die Lupe zu nehmen.
Am Tag danach schrieb ich die Kündigung.

 

Die ehrliche Antwort auf die Frage “Was will ich wirklich?”

Bisher hatte ich nur wahrgenommen, dass mir das stundenlange Sitzen vor dem Computer und die Hektik des Projektalltages nicht gut tun. Zudem fragte ich mich ständig “Macht das wirklich Sinn?”.
An diesem Seminar in Hamburg sah ich ein, dass etwas viel Grundsätzlicheres nicht stimmte: für diese Stelle verzichtete ich auf das, was mir am meisten wert war: Bewegung, Achtsamkeit, Freiheit, Abenteuer und Bedeutsamkeit.

Ich sass Tag für Tag am Bürotisch, obwohl ich etwas anderes wollte: draussen sein, in die Natur schauen statt in den Bildschirm, mich bewegen statt zu sitzen, “die Welt” entdecken und etwas tun, das für Menschen und für die Umwelt wirklich wichtig ist.

Das konnte ich in diesem Job weder finden noch integrieren. Es genügte mir auch nicht länger, diesen Dingen in meiner Freizeit nachzugehen, wie ich es bis dahin tat.

 

Der Preis des Kompromisses

Ich sah ein, welchen Preis ich zahle, wenn ich nichts ändere:
Ich würde ein Leben leben, das nicht dem entspricht, was ich wirklich will.
Ein Leben, das mich am Ende auf die Dinge zurückblicken lässt, die ich gerne getan hätte. Dinge, die hätten stattfinden können. Wie zum Beispiel “einmal wäre ich beinahe einen Marathon gelaufen….” (Julia Engelmann).

Die nicht gebannte Gefahr

In der ersten Phase nach der Kündigung nutzte ich die neue Freiheit, um drei Abenteuer anzupacken:

  • über die Weihnachtsfeiertage/Neujahr arbeitete ich in einem Grand Hotel im Frühstücksdienst
  • danach ging ich als Freiwillige ins Flüchtlingslager nach Lesbos
  • und dann ans “Ende der Welt” und arbeitete in der traumhafte Bergwelt als Allrounderin in einem Berggasthaus.

Nebenbei entwickelte ich fleissig meine selbstständige Tätigkeit.
Es gab eine Menge zu entdecken, ich nutze die Freiheit hinzugehen wo ich will und das Bewegungsprogramm war in diesen Jobs inklusive.

Soweit so gut.

Mitte März wollte ich endlich wieder zu Hause sein und mich nur auf meine Selbstständigkeit konzentrieren.

Nach einer Woche fiel es mir auf: ich verbrachte viel zuviel Zeit vor dem Computer und kam kaum aus meinem Büro raus. “Schliesslich musst Du ja Geld verdienen” diktierte der Antreiber in mir und bewirkte damit, dass ich die Dinge vernachlässigte, die nichts mit Geldverdienen zu tun haben.

So sass ich nun als Selbstständige den ganzen Tag am Bürotisch vor dem Bildschirm und vergass darüber was mir wirklich wichtig ist. Zwar machte die Arbeit Sinn. Trotzdem war es nur eine andere Art mein Leben zu verpassen.

 

Die Hilfestellung

Lange setze ich mich in meinem Lieblings-Ohrensessel, liess die Beine über die Armlehne baumeln, spielte unruhig mit meinem Schreibzeug herum und dachte nach.
“Wie kann ich besser dafür sorgen, dass das Wichtigste in meinem Leben das Wichtigste ist?”, fragte ich mich.
Praktisch. Nicht theoretisch.

Dann fiel es mir ein: wenn ich weiss, dass ich über etwas Rechenschaft abgeben muss, achte ich viel besser darauf, was ich im Alltag tue. Du kennst es vielleicht auch? Nie putze ich meine Zähne gründlicher, als die wenigen Wochen vor dem jährlichen Dentalhygienetermin 🙂
Warum sollte ich diesen Effekt nicht nutzen?

Also stellte ich  mir die Aufgabe am Ende der Woche folgende Fragen zu beantworten:

Auswertung:

  1. Was war in der letzten Woche im beruflichen Alltag bedeutsam?
  2. Was war in der letzten Woche in der Freizeit bedeutsam?
  3. Was war weniger bedeutsam als erwartet?

Massnahmen:

  • Was will ich in den nächsten 10 Tagen öfters tun, um mehr Bedeutsames in mein Leben zu bringen? Worauf will ich mich konzentrieren? (Blick auf 1. und 2. erlaubt)
  • Was will ich in den nächsten 10 Tagen seltener tun, damit Unbedeutendes weniger Platz in meinem Leben hat? (Bick auf 3. erlaubt)

 

Die neue Spur

Siehe da – von da an, zog ich mir jeden zweiten Tag die Wanderschuhe an und ging auf Abenteuer-Jagd. Ich rief Menschen an  die mir wichtig sind oder traf mich mit ihnen. Ich nahm mir die Zeit zum Lesen (die ich vorher nicht hatte), übte fleissig das Filmen und Fotografieren, nahm mir Zeit für mich zu kochen und Dinge selbst zu machen, liess mir Zeit zum Nachdenken und entwickelte (endlich) das Konzept und den Inhalt für diesen Blog.

Sicher, mein Tagesplan mutiert zum Kontrastprogramm: Wenn andere ins Büro gehen, bummele ich durch den Wald und mache ein Fotoshooting mit Bäumen, Blätter, Ameisen und Schnecken oder ziehe durch die Berge. Doch genau da habe ich die Idee, wie ich den Blog aufbauen will.
Zu Hause angekommen, setze ich mich vollkommen zufrieden mit meinem Vormittag an den Schreibtisch und tue, was zu tun ist.

 

Einwände

Der Angstmacher in meinem Hirn jammerte erst, dass das so nicht geht. “Du wirst garantiert verhungern” (sein Originalton). Da vermeldeten das Steueramt und die Krankenkasse unerwartet, dass ich eine ahnsehnliche Rückzahlung erhalte. Seither lache ich über die Angstmacherei, wenn auch mit einer Spur Ernst. In den nächsten Monaten werde ich definitiv nicht “verhungern”.

Natürlich: mein Lebensstil ist riskant. Ich riskiere, dass ich mir im in einigen Monaten ein Abenteuer suchen muss, das bezahlt wird – sei es ein Temporärjob oder eine Saisonstelle. Was für eine unglaubliche Gefahr ;-).

Vorher riskierte ich mehr:
Ich riskierte, mein Leben zu verpassen.

 

Und Du?

Welche Antworten findest Du, wenn Du Dich fragst:

  1. Was war in der letzten Woche im beruflichen Alltag bedeutsam?
  2. Was war in der letzten Woche in der Freizeit bedeutsam?
  3. Was war weniger bedeutsam als erwartet?

Und was wirst Du tun, um dem was Dir viel bedeutet mehr Raum zu verschaffen und dem Unbedeutendem “den Hahn zuzudrehen”?

Lass Dich auf die Fragen ein. Lebe lebendiger.