Fünf einfache Strategien, um Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen

Ich war schockiert.
Der Müll von einem ganzen Jahr passt in ein Vorrat-Glas?
Nur EIN Glas? Nicht mehr?!

Die Kursleiterin von Zero Waste in Zürich stellte mein Weltbild auf den Kopf, als sie erzählte, dass Menschen wie Bea Johnson und Shia Su es schaffen den nicht kompostierbaren, nicht recycelbaren Müll so drastisch zu reduzieren.

Nicht ganz so extrem, aber doch beeindruckend, fand ich die Geschichte von der Familie im Jura, die ihren Abfall um 2/3 reduzierte.
Das traute ich mir eher zu.

Der Schock war für mich damals wichtig.
Müll vermeiden – ja klar. Das versuchte ich schon länger:
Gläser in die Glassammlung
Papier in die Papiersammlung
Blech und Alu in die Extra-Box.

Macht man ja schliesslich so – oder?

Aber an diesem Abend begriff ich: ich verhielt mich wie jemand der erfolgreich das Gleichgewicht auf dem Einrad zu halten gelernt hat und auf diesem Niveau (selbst-)zufrieden stehen bleibt.
Ich sah an diesem Abend, dass ich bezüglich Umweltschutz erst die Anfängerstufe beherrschte.

Bea Johnson und Shia Su hingegen schlängelten virtuos, in eleganten Kurven um Umweltschädliches herum. Auf schnurgeradem Kurs erreichten sie das Ziel, der Umwelt keine Gifte und keinen Müll mehr zuzumuten: mit der Zero-Waste-Strategie.

Das unergiebige Umwelt-Programm von “Daniela-Räber-Normalverbraucherin”

An diesem Abend verstand ich: mein Bezugspunkt war ganz verkehrt.
Ich hielt Müll für normal.
Ich kaufte die Dinge, die ich haben wollte und achtete eher beiläufig darauf, wie die Dinge die ich nach Hause trug verpackt sind und welche Gifte man mir zumutet.
Ich akzeptierte vorhandenen Produkte und recycelte was möglich war.

Die Geschichten der Zero-Waste-Leute und die 5 Zero-Waste-Strategien forderten mich heraus mich NICHT nur

  • auf das korrekte Entsorgen und Recyceln
  • und das Kompostieren (rot)

zu konzentrieren. Statt dessen

  • den (zukünftigen) Müll gar nicht mehr in meine Leben zu lassen (refuse)
  • auf Verzichtbares zu verzichten (reduse) um Ressourcen zu schonen, 
  • Gebrauchtes dem Neu-Produziertem vorzuziehen und
  • Dingen ein zweites Leben zu schenken (reuse)

Recycling in Ehren, aber Müll und Schadstoffe gar nicht erst entstehen zu lassen, ist die noch bessere Lösung.
Das leuchtete ein.

 

Die Zero-Waste-Strategie

Refuse meint: weise zurück
was Du nicht wirklich brauchst
(Einwegartikel, Werbung),
was giftig ist (Chemie)
und zu schwer abbaubaren Abfällen führt
(Plastik)

 

Reduse meint: reduziere, die Menge an Dingen,
die sich in Deinem Leben ansammeln,
(Überflüssiges, Luxus- und Modeartikel;
also alles “zuviel”, das irgendwann in der Tonne endet)

 

Reuse meint: nutze, die Dinge, die es bereits gibt
(leihen, gebraucht kaufen, tauschen).
Gib den Dingen ein zweites Leben
indem Du sie reparierst oder umfunktionierst
(ein T-Shirt wird zum Putzlappen).

Drastische Müllvermeidungs-Massnahmen – das Experiment

Von da an sah ich Müll nicht mehr als das Normale an, sondern als die Ausnahme und als “Notprogramm“.

Am Tag nach dem Zero-Waste-Abend brachte ich meine (Mehrzahl!) Abfalleimer ins Brocki.
Auf den Deckel des fest angeschraubten Abfalleimers in der Küche legte ich ein Paket Blumenerde und das Abwaschmittel
So blockierte ich den Zugang.
Wo keine Abfalleimer sind,” sagte ich mir “darf einfach kein Abfall mehr anfallen.“

Nur ein (!) Abfalleimer durfte in meinem Haushalt bleiben.
In einer Ecke in der Küche.
So hatte ich die Möglichkeit Müll wegzuwerfen,
aber ich konnte den Müll nicht mehr im Müllfach der Küche unsichtbar verschliessen
 –  vor mir selbst verstecken.
Jetzt war der Müll sichtbar und je nach Sorte auch riechbar.

Ja, manchmal neige ich zu radikalen Massnahmen 🙂
Aber ab und zu liebe ich solche Herausforderungen.
Du kannst sicher sein, dass ich mir beim Einkaufen gut überlegte, ob ich das Pouletgeschnetzelte in der Plastikverpackung kaufe.
Ich sah schon vor mir, wie rasch sich der Müllsack füllt – und der Geruch…
Ich konnte mir se
lbst lieb sein.

Meine spielerische Ader machte sich einen Spass aus dem Experiment und ich taufte meinen neuen Einkaufs-Stil “umgekehrt einkaufen”:

1. Durch den Supermarkt schlendern, ausgerüstet mit Stoffsäckchen für Gemüse und Früchte und Blechdosen / Tupperware-Dose

2. nicht nach einem Plan einkaufen, sondern schauen, was es ohne Verpackung oder in recycelbarer Verpackung gibt und

3. auf alles andere verzichten.

Statt geräucherte Forelle (im Plastikverpackung) gab es plötzlich Rollmops aus dem Glas (mag ich), Senf im Glas, Ahornsirup für meine allerliebsten Omeletten und statt meiner geschätzten Mokkajoghurts kaufte ich ein Glas lösliches Kaffeepulver und rührte mir das Mokkajoghurt  (Joghurt aus dem Glas) selbst an. Wie in meiner Kinderzeit, als der Joghurtbereiter ein beliebtes Gerät war.

 

Einfach ausprobieren – “umgekehrt einkaufen” für die Weihnachtsgeschenke

Keine Sorge, ich rate Dir nicht dieselben radikalen Massnahmen umzusetzen wie ich.
Es sei denn, Dich reizt der Wettbewerb gegen Dich selbst und Du machst Dir einen spielerischen Spass mit Deinen Freunden oder Kindern.

Aber ich lade Dich ein, bei den Weihnachtseinkäufen das “umgekehrt einkaufen” auszuprobieren:
Wenn Du zum Beispiel neuen Weihnachtsdekoration haben möchtest
– Mache Dir klar, was Du wirklich brauchst, was das Ziel für Dich ist (z. B. eine weihnachtliche Atmosphäre)
– Schau im Kaufhaus / Brockenhaus was Du gebraucht kaufen kannst und was aus Material hergestellt ist, das ganz natürlich verrottet .
Zum Beispiel Nahrungsmittel oder
Dinge aus

 

Nutze Dinge, die Du gebraucht findest zum Beispiel um Geschenke zu verpacken

  • Gläser, Ton- und Keramitgefässe (gibt es im Brocki in Massen. Du findest garantiert etwas originelles)

  • Tücher (mehr dazu im 8. Blogbeitrag)

  • Körbe

Überlege auch, ob es die Billigkerzen (Parafin = Erdöl) sein müssen, oder ob Du Dir einige
Bio-Kerzen leistest.

Dein Vorteil

  • Diese 5 Strategien machen es einfach zu beurteilen, wie Du zu besseren Produkten kommen kannst bzw. ob sie überhaupt noch einen Platz in Deinem Leben haben sollen.

  • Mit den ersten 3 Strategien sparst Du richtig viel Geld und Zeit: Die Abfallmarken, die Du einsparst sind der kleinste Kostenfaktor der bald nicht mehr anfällt – Du wirst sehen!

 

 

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