Abnehmen durch persönliche Veränderung

Nicht die Vernunft ist Richtschnur des Lebens, sondern die Gewohnheit.

David Hume (1711 - 1776), schottischer Philosoph, Historiker und Nationalökonom


Anfangs geht es gut.
Es macht sogar Spass das Neue auszuprobieren.
Einige Zeit kannst Du

  • auf das Konfibrot am Morgen verzichten und stattdessen Obst oder Rühreier essen
  •  die schweren Mahlzeiten am Abend durch eine Suppe oder eine Gemüsemahlzeit oder ein Shake ersetzen

Doch nach einiger Zeit sehnst Du Dich nach Deinen Lieblingsmahlzeiten und -knabbereien. Immer öfters musst Du zu einem Wunsch nein sagen. 

Selbst wenn Du das oft tust, lernst Du nun die Hinterlistigkeit alter Gewohnheiten kennen: Sie schleichen sich klangheimlich wieder ein. Nach einigen Monaten haben sie ihren alten Platz zurückerobert. Du weisst nicht, wie es geschah.

Die Diätpäpste haben Dir weisgemacht, dass Du mit gutem Willen und Vernunft Dein Essverhalten verändern kannst. Die Realität beweist Dir das Gegenteil.


Warum wir alte Essgewohnheiten nicht loswerden

Aus vier Gründen scheitert der Versuch Deine Essgewohnheiten zu verändern:

  1. Das Essen hat eine bestimmte Wirkung auf die Psyche. Einige Nahrungsmittel tun Dir gut, wenn Du wütend oder frustriert bist. Andere lindern Deine Erschöpfung oder Traurigkeit und manche beruhigen Dich, wenn Du überdreht und aufgekratzt bist. Auf diese Wirkung kannst Du nicht einfach verzichten.

  2. Mit bestimmten Essmustern erreichst Du ein bestimmtes Körpergefühl.
    Du fühlst Dich zum Beispiel leicht und kühl an, wenn Du einen Salat isst. Sehnt sich ein Teil in Dir aber nach Halt, wirst Du eine wärmende, schwere Mahlzeit vorziehen. Vielleicht wählst Du dann cremige, fetthaltige Nahrungsmittel wie Rahm, Butter, Sauce. Du kannst es Dir verkneifen, doch Dein Körper wird es fertig bringen sich mittelfristig das zu holen, was er braucht: Auf dem Diätplan steht Salat. Am Ende des Abends hast Du zwar den Salat gegessen, aber danach weiter nach Essen gesucht. Erst nach einer Packung Chips kehrte Ruhe ein.

  3. Auch alte Erinnerungen und Gefühle klingen an während Du vertraute Dinge isst. Tendenziell essen wir so, wie wir es zu Hause gelernt haben. Dieses vertraute Gefühl mögen wir auch dann, wenn unsere Erinnerung an die Kindheit nicht positiv sind.
     
  4. Die Rituale, die mit Deinem Essverhalten verbundenen sind, verschaffen Dir eine wohltuende Routine.
    - Wankst Du vom Bett direkt zur Kaffeemaschine und drückst noch halb beduselt auf den Knopf der Kaffeemaschine, holt Dich das in den Tag hinein – weil es jeden Morgen so ist.
    - Das Abwarten auf das Kochen des Teewassers gibt Dir noch einen Moment der Ruhe, um Dein Schlafzimmer auch innerlich zu verlassen und Dich in den neuen Tag einzustimmen.


Wann und was wir essen, ist nicht nur Kopfsache. 

Deine Ernährungsgewohnheiten regulieren Deine Befindlichkeit, sind eine Stütze im Alltag und sorgen für emotionale Stabilität. Nimmst Du Dir das weg, hat das Konsequenzen. Es kann einen inneren Sturm auslösen. Das kannst Du in belastenden Situationen fühlen: ohne das Essen, das Du Dir wünscht, steigt Angst in Dir hoch. Als würdest Du den Boden unter den Füssen verlieren oder innerlich auseinander fallen.
Solange Dein Essverhalten belastende Emotionen abfedern muss, die Dein Leben verursacht, wird Dein Unbewusstes Deinen Kopfentscheid Diät zu halten untergraben. Dagegen kämpfen verzögert nur den Zeitpunkt des „Rückfalls“.


Du musst nicht wissen, warum Du das verbotene Essen brauchst

Man könnte nun danach suchen, was denn im Leben dazu führt, dass Du Essen als Kitt für belastende Emotionen brauchst. Damit wäre geklärt warum das Essen notwendig ist; aber Du weisst noch nicht, wie Du das ändern kannst.

Ich möchte Dir den umgekehrten Weg vorschlagen:
Du veränderst Dein Leben so, dass es den Kitt nicht mehr braucht. Du musst nicht wissen warum er bisher notwendig war. Nach der Veränderung wirst Du von selbst verstehen, welche Gefühle Dir heute das Leben schwer machen.

Überraschendes Forschungsresultat: persönliche Veränderung reduziert das Gewicht

Ben Fletcher machte Untersuchungen mit Menschen, die übergewichtig waren und es nicht schafften ihre Essgewohnheiten zu verändern und regelmässig ein Fitnessprogramm zu absolvieren. Zu seiner eigenen Überraschung änderten sich das plötzlich von selbst. Was war passiert?

Er hatte sie angehalten an ihrer Einstellung zu sich, zu anderen und zum Leben zu arbeiteten und ihr Verhaltensrepetoir zu erweitern. Zum Beispiel liess er sie anhand einer Skala einschätzen, ob sie üblicherweise eher zurückhaltend oder energisch auftreten.

Sie ordneten sich nach eigenem Gutdünken ein und bekamen den Auftrag "Do something different!", also "Mach etwas anders!". Denselben Auftrag bekamen sie für viele weitere Verhaltensdimensionen wie zum Beispiel "Ängstlichkeit – Risikofreudigkeit" oder "Offenheit – Verschlossenheit". 

Ben Fletchers Forschung zeigte: diese „Do something different“-Methode (DSD-Methode) machte möglich was alle guten Vorsätze und Zureden nicht geschafft hatten: sie brach alte Verhaltensmuster auf und führte zu neuen Gewohnheiten, ohne dass dies von den untersuchten Personen als Zwang oder Last erlebt wurde.


Virtuos auf der Tastatur des Lebens spielen lernen

Erst da fiel Ben Fletcher auf, dass seine Probanden sich oft wie ein Klavierspieler verhalten hatten, der nur auf wenigen Tasten spielen kann. Sie waren immer ähnlichen ängstlich oder risikofreudig, offen oder verschlossen.

Nur wenige Tasten zu beherrschen schränkt das Repetoir des Klavierspielers ein. Auch im Leben gilt: nur wer „die gesamte Klaviatur“, also viele Verhaltensmuster beherrscht, hat viele Werkzeuge zur Verfügung, um die Musik in seinem Leben erklingen zu lassen, die ihm gefällt.

Versteh' mich richtig: nicht die Gewohnheit eher zurückhaltend oder verschlossen zu reagieren, ist das Problem. Wenn Du Dich aber so verhältst, weil Du die anderen Verhaltensweisen gar nicht „zu spielen“ weisst, dann hat diese Einseitigkeit negative Folgen für Dich.

Deine Kollegin wird Dir weiterhin die Ohren über ihren Ehemann volljammern, weil sie sich durch Dein freundliches, zurückhaltendes Zuhören dazu eingeladen fühlt. Das ändert nichts. Nächstes Mal wirst sie es wieder tun und Du bist nach diesem Gespräch traurig, frustriert oder wütend. Wie kompensierst Du das? Möglicherweise mit Essen.

Die DSD-Methode lädt Dich ein„something different“ zu machen. Nicht total anders. Nur ein kleines bisschen anders als bisher. Du kannst zum Beispiel:

  • schweigen und Dir jeden Kommentar verkneifen, um Deine Kollegin nicht zum Weiterreden einzuladen
  • Dich einfach etwas anderem zuzuwenden
  • das Thema (mehr oder weniger energisch) wechseln
  • Deiner Kollegin sagen, dass Dich ihre Unzufriedenheit traurig macht und Du Dir wünscht, dass sie sich professionelle Beratung holt


Ein breiteres Verhaltensrepetoir verändert das Lebensgefühl

„Die starren Gewohnheiten in unserem Leben sind es, die zu Gewichtsproblemen führen“, sagt Ben Fletcher. Das hat meiner Erfahrung damit zu tun, dass wir viele unangenehme Situationen oder Gefühle ertragen müssen, wenn wir nur ein schmales Verhaltensrepetoir haben. Zudem fühlen wir uns hilflos und überfordert und sagen zu uns und anderen, wenn wir von den Dingen sprechen, die uns belasten: „Daran kann ich nichts ändern“.

Probierst Du aber energischer oder noch zurückhaltender als gewöhnlich zu sein, kann sich das Verhalten Deiner Kollegin plötzlich verändern. Wenn sie zu jammern aufhört oder sich ein neues „Opfer“ sucht,

  • ermutigt Dich das weiter zu lernen und Dein Verhaltensreptoir zu vergrössern.
  • verändert sich Dein Lebensgefühl. Du bis zufriedener.
  • verschwindet das Gefühl Situationen hilflos ausgeliefert zu sein 
  • wird die Überzeugung, dass man Dinge im Leben ertragen muss unhaltbar
  • merkst Du was Dir bisher im Leben fehlte, wo Du hin willst und was Du nicht mehr brauchst. 
  • findest Du Wege Deine Bedürfnisse zu befriedigen.

Auf diese Weise können auch alte Muster und Überzeugungen, die aus verletzenden Erfahrungen in der Kindheit herrühren, aufgearbeitet werden und neuen Erfahrungen Platz machen.

Erstaunlicherweise ist dieser Weg um ein Vielfaches einfacher, als der Versuch seine Essgewohnheiten zu verändern. Er erfordert natürlich die Bereitschaft sich auf einen Weg der persönlichen Weiterentwicklung zu machen. Schwer ist das mit der DSD-Methode nicht, weil sie schnell zu positiven Erfahrungen führt, die Spass machen und Glücksmomente ins Leben bringen.

Im Kurs „Seelenfutter“, der am 12.3. beginnt schlagen wir diesen Weg ein:
Du lernst die Verhaltensdimensionen kennen und beginnst damit neue Muster zu entwickeln, die so viel Nährendes in Dein Leben bringen, dass Du nicht mehr aus emotionalen Gründen essen „musst“. Dein Gewicht ändert sich dann ganz von selbst.








Bücherquellen: Ben Fletcher, Die Keine-Diät-Diät

Bildquellen:

Bild mit grünem Apfel S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Rose Kaffeetasse mit Herzen Terri Cnudde  auf Pixabay

Klavierspielende Hände von StockSnap auf Pixabay

Mädchen auf Brücke Pexels auf Pixabay






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