Kriterien für umweltschonendere Kauf-Entscheidungen

Ressourcenschonend

In den meisten Haushalten gibt es einen Bohrer.
Irgendwann im Leben muss jeder einmal Löcher bohren.
Konsequenz: es werden viele Bohrer produziert, weil so viele Haushalte einen brauchen.

Für die Herstellung des Gerätes werden Materialien gebraucht, die nicht auf den Bäumen wachsen und auch nicht auf dem Kompost verrotten.
Bedeutet: diese Materialien müssen zuerst gewonnen, das Gerät produziert werden.
Dazu kommen für die Materialien und für das Gerät die Transportkosten: hin zum Produktionsort und von da zum Verkaufsort.
Das braucht Strom, Benzin, Diesel, Verpackung.

Ich habe mir sagen lassen, dass wir in unserem Leben den Bohrer nur wenige Stunden brauchen…!
Das heisst, weil wir alle einen eigenen Bohrer zu brauchen meinen, halten wir eine ganze Maschinerie am Laufen.
Es wird produziert und produziert und transportiert und wieder entsorgt.
Dasselbe gilt natürlich für unsere Computer, Handys, Haushaltgeräte, Fernseher, Sportartikel usw.

Stimmt: unsere Wirtschaft ist so angelegt, dass es von Vorteil ist, wenn möglichst jedes Kind einen eigenen Bohrer hat.
Die Umwelt hingegen ist dafür ungeeignet.

Wir finden umweltschonendere Lösungen wenn wir uns fragen:

  • brauche ich das wirklich oder kann ich streng genommen darauf verzichten?
    Beschreibe die Konsequenzen die es nach sich zieht, wenn Du das was Du gerade kaufen willst nicht kaufst.
    Geht es um ein wirkliches Problem das gelöst wird oder nur um Bequemlichkeit und den Rausch, der ein Einkauf auslöst?
  • Ist dieses Produkt aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt?
    Wenn ja gibt es mehr als genug davon?
    Wenn nein, könntest Du auf ein anderes Material zurückgreifen?
  • Gibt es eine Alternative zum Neu-Kauf? Kannst Du Dir das Produkt leihen oder via Tauch bekommen? siehe Pumpipumpe, Leihbar und Tauschkreise wie bazore in Bern
  • Kannst Du das Produkt gebraucht erhalten? (siehe Brockenhaus, ricardo, tutti.ch, ebay)
  • Könnte das alte Teil repariert werden?
  • Kann das alte Teil noch jemandem für irgendetwas dienen? Ist eine Sammelstelle oder das Brocki daran interessiert oder ist upcycling möglich?

Regional

  • Gibt es das was Du brauchst in Deiner Nähe?
    … oder zumindest in der Schweiz?
    … oder zumindest in Europa?

Kaufen wir Dinge in unseren nächsten Umgebung, reduzieren sich Transportwege und der Verpackungs-müll. Natürlich ist es eine grosse Veränderung unserer Gewohnheit, wenn wir nicht mehr in den Supermarkt, sondern auf den Markt gehen oder beim Hofladen in der Nähe einkaufen.
Entgegen dem Gerücht muss das nicht teurer sein.
Dafür hat es einige schöne Nebeneffekte besonders wenn wir nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad hinfahren und mit den Verkäufern ein Schwätzchen anfangen und uns langsam zum Stammkunden entwickeln.
Da kommt die Komfortzone und das Gewohnheitsnetz ganz schön durcheinander und wie Du aus früheren Blogbeiträgen weisst, bringt das Farbtupfer ins Leben 😉

Fair

  • werden die Mitarbeitenden so bezahlt, dass sie davon leben können?
    Bei regionalen Betrieben wissen wir das oft. Je ferner ein Produkt entwickelt wurde, um so mehr müssen wir uns auf die Versprechen von Firmen verlassen.

Giftfrei

  • Gibt es etwas weniger Giftiges oder gar Giftfreies das denselben Nutzen hat?

Egal wie gut wir es begründen können, dass wir etwas Giftiges kaufen, wir dürfen uns nichts vormachen: diese Schadstoffe landen irgendwann in unserer Umwelt. Egal, ob Weichmacher, Backofenreiniger, WC-Steine, Medikamente.
Es tut der Umwelt gut, wenn wir manche Techniken unserer Grossmütter wieder einführen. Natürlich die modernen Lösungen sind oft sehr zeitsparend und praktisch. Leider aber viel schädlicher, als die alten Hausmittelchen. Selbst wenn da steht „biologisch abbaubar“.

Reparierbar

  • Kann es repariert werden?

In ein Repair-Cafe kannst Du Dinge bringen, die kaputt gegangen sind und von denen jeder Händler sagt:
„Das lohnt sich nicht zu reparieren“.
“Lohnt sich nicht”, war gestern. Da war uns NICHT klar, dass „lohnen“ nicht nur am Preis, sondern auch an den Ressourcen und am Abfallberg gemessen werden muss.
Falls Du glaubst, es spiele keine Rolle:
Am letzten Reparaturtag, im Oktober 2019,  konnten 4 Tonnen Müll vermieden werden, weil weltweit 300 Repair-Cafés geschraubt, geflickt, genäht, geleimt, gelötet … haben.
Manch ein Toaster, Kleidungsstück, Mixer, Rad, Ziehkoffer, Standuhr und Kinderspielzeug hat an diesem Tag ein zweites Leben erhalten.
Wenn Du nichts zu reparieren hast, komm trotzdem mal bei uns in Bern im Progr vorbei.
Da kannst Du von oben von der Galerie her zuschauen und Du wirst merken, was für eine geschäftig-positive Stimmung bei dieser Flickaktion entsteht. Hinten in der Ecke warte ich mit dem Kuchenbuffet und verwöhne die Gäste mit dem Selbstgebackenen aus unserem Team.

Kreislauffähig

  • Gibt es ein Produkt, das so hergestellt wird, dass zu keiner Zeit Abfall entsteht? Der “Abfall” der bei der Produktion entsteht, wäre dann kein “Abfall”, sondern ein Nebenprodukt das weiterverwendet werden kann, das wiederum keinen Abfall produziert, sondern dessen “Abfall” weiterverwendet werden kann ….
    Du verstehst?

“Normal” ist im Moment das Cradle-to-grave-Prinzip. Das bedeutet, dass Produkte nach dem Ende ihrer Nutzung auf dem Müll landen.
Zur Produktion werden immer wieder neue Rohstoffe benötigt, die jedoch auf der Erde nur endlich vorhanden sind.
Von der Umweltverschmutzung durch den Müll ganz zu schweigen.

Das Prinzip von Cradle-to-cradle ein anderes.
Es bedeutet von Anfang an in kompletten Produktkreisläufen zu denken.
Produkte sollen so hergestellt werden, dass von Beginn an ihr Ende mitgedacht wird.
Nicht nur der erste Nutzen steht im Mittelpunkt, sondern auch die Verwendung der Rohstoffe nach der Nutzung.

Der Cradle-to-cradle-Ansatz schliesst auch die umweltfreundliche Produktion und die Nutzung von erneuerbaren Energien mit ein.
Noch wird der Begriff nicht so oft verwendet, aber ich höre und lese ihn schon viel häufiger als noch vor 2 Jahren.
Wenn also irgendwo “C2C” steht, dann guck nochmal hin und finde heraus, ob da jemand etwas wirklich Gutes erfunden hat.

Sobald Dir die Begriffe vertraut sind, reicht es, wenn Du die besser-als-zuvor-Skala vor einem Einkauf konsultierst. 

Die besser-als-zuvor-Skala